Wer ist eigentlich Isabel Schnabel?

17. Februar 2020
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Seit Anfang des Jahres gehört sie dem EZB-Rat an und ist damit Stimme Deutschlands in dem Gremium, das den geldpolitischen Kurs für den Euroraum absteckt. Bislang stand sie für einen sehr analytischen und systematischen Blick auf die notwendigen Weichenstellungen für die Zukunft. Isabel Schnabel, ein Porträt.

Tweets zur Schuldenbremse, zu Uni-Veranstaltungen, zum deutsch-französischen Ministerrat – auf Twitter ist Isabel Schnabel dauerpräsent. Auch auf Englisch. „I am honored to have been nominated by the German Federal Government to become Executive Director of the European Central Bank“, twitterte sie, nachdem die Bundesregierung sie im Oktober als Exekutivdirektorin
der EZB vorgeschlagen hatte. Keine Frage: Schnabel ist ein kommunikativer Typ, dazu diskussionsfreudig, meinungs- und durchsetzungsstark. Als junge Wissenschaftlerin soll sie einmal
einen Beitrag bei einer renommierten Fachzeitschrift eingereicht haben, einer der begutachtenden Professoren zerriss das Stück in der Luft  – öffentlich. Beirren ließ sie sich nicht. Vielmehr
freute
sie sich über die Aufmerksamkeit. Sie durfte in der Zeitschrift auf die Kritik antworten. Die Bundesregierung hat also allen Grund zur Hoffnung, dass Schnabel nicht so schnell das Handtuch werfen wird wie ihre Vorgängerin Sabine Lautenschläger. Mit Jörg Asmussen und Jürgen Stark hatten auch weitere deutsche EZB-Direktoriumsmitglieder eher kurze Gastspiele in dem Gremium. Wegen ihrer Sympathie für die Politik  von Mario Draghi kam ihre Nominierung allerdings nicht nur gut an: „Nötig und richtig“ wäre eine Person gewesen, die „aus voller Überzeu·
gung für eine andere Geldpolitik kämpft“, erklärte etwa FDP-Finanzexperte Florian Toncar. In der Bundesregierung war Schnabel indes unumstritten. Auch EZB-Präsident Draghi hatte auf seiner letzten Sitzung nur warme Worte für sie übrig: „Isabel ist eine exzellente Ökonomin. Sie wird es sehr gut machen.“

Ausgewiesene Expertin


Spätestens seit 2014 ist die mittlerweile 48-Jährige auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Damals wurde die Bonner Professorin für Financial Economics als eine der „Wirtschaftsweisen“ in den Sachverständigenrat der Bundesregierung berufen. Wo auch immer sie in ihrem männerdominierten Berufsfsumfeld auftaucht fällt sie auf – nicht nur durch ihre markante Lockenmähne. Schnabel, überzeugte Europäerin, ist nie um ein klares Statement verlegen. Sie gilt als international erfahrene Pragmatikerin, die sich von orthodoxen Bundesbankpositionen gelöst hat. So hält sie es für überzogen, der EZB eine Mandatsverletzung vorzuwerfen. Dass „Politiker, Journalisten und Banker das Narrativ verstärken, die EZB stehle den deutschen Sparern ihr Geld„, hält
sie sogar für gefährlich. Auch die Warnungen bezüglich der Target-Salden (Verpflichtungen und Guthaben nationaler Notenbanken gegenüber der EZB) findet sie übertrieben.  Vom Euro-Zahlungssystem – für manchen eine tickende Zeitbombe – gingen keine wesentlichen Risiken für den deutschen Steuerzahler aus, meint sie. Nachdem die „Financial Times“ über einen
Target-Artikel von ihr und ihrem Doktorvater Martin Hellwig geschrieben hatte, twitterte sie‘ „Oh my god – the@FT jumping on the Target 2 Train? Martin Hellwig and I wrote our article on this topic in German, presuming that just ‚ the Germans were caught in this misunderstanding.“ – eine schlagfertige  Antwort auf  internationalem Parkett.


Kommunikation par excellence

 Schnabel plädiert auch für eine Ausweitung  der Banken- und Kapitalmarktunion in Europa. Doch klar einem Lager zuordnen, lässt sie sich nicht, so lehnt sie etwa eine reine Transferunion ab. „DIE ZEIT“ sprach nach Veröffentlichung des Wirtschaftsweisen-Gutachtens im November, das auch ihre Handschrift trug, von einer „Öffnung des wirtschaftspolitischen Diskurses“ in Deutschland. Als ausgewiesene Expertin in Fragen der Finanzmarktaufsicht und Bankenregulierung könnte ihr im EZB-Direktorium eine größere Rolle zukommen als Lautenschläger, die – wie die neue EZB-Chefin Christine Lagarde – Juristin ist. Lagarde wird mehr auf ökonomische Expertise angewiesen sein. Die Schnabel und Lagarde zugesprochene Vermittlungsstärke dürfte derzeit nötiger sein denn je, innerhalb des Direktoriums, wo die Meinungen zuletzt auseinanderliefen, und gegenüber den Bürgern. Gerade hierzulande hat der Ruf der EZB gelitten.


Ganz nebenbei hat Schnabel übrigens drei Töchter bekommen mit ihrem Mann Reinhold, Professor für Finanzwissenschaften an der Uni Duisburg-Essen. Auf diesen Balanceakt angesprochen, erzählte Schnabel einmal einer Frauenzeitschrift, dass die Mädchen – um Zeit zu sparen – schon abends komplett fertig gemacht wurden fur den neuen Tag inklusive Strumpfhosen. Bis die Oma mahnte, die Füße müssten doch „atmen“.“ Auch davon ließ Schnabel sich nicht beirren, „Unsere Kinder haben es überlebt“, kommentierte sie auch hier sehr pragmatisch – und schmunzelnd.