Riester-Rente - Klimafonds.de

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8. April 2020

„Es kommt nicht überraschend, dass Riester-Verträge im Crash wieder auffallen. Das Problem wird nun zum zweiten Mal offenbart“, wird Niels Nauhauser, Abteilungsleiter für Altersvorsorge bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg im Handelsblatt vom 8. April 2020 zitiert. Wie schon in der Finanzkrise 2008 wurden auch in der Corona-Krise Milliarden Euro in geförderten Riesterverträgen von Aktien in Anleihen umgeschichtet. Die als besonder rentierlich beworbenen Fondsparpläne wie DWS Riester Rente Premium oder ähnliche Ansätze von Union Investment (Volks- und Raiffeisenbanken) oder Deka (Sparkassen) begehen in solchen Zeiten irrsinnge Fehler in der Asset Allocation und drücken die Renditen für Anleger auf null Prozent.

 

Der Hintergrund: Das Problem Kapitalgarantie

Der Gesetzgeber wollte bei der Riester-Rente das hohe Sicherheitsbedürfnis der deutschen Anleger befriedigen und hat eine sogenannte Kapitalgarantie eingebaut. Das bedeutet, dass aus einem Riester-Vertrag zu Beginn der Rente mindestens das insgesamt eingezahlte Kapital wieder zur Verfügung stehen muss, also mindestens eine Rendite von Null Prozent erzielt werden muss.

 

Das war bei Einführung der Riester-Rente 2002 und den damaligen Zinssätzen noch vertretbar (wenn auch damals schon nicht sinnvoll), denn die Kapitalgarantie muss immer mit Zinsprodukten erreicht werden. Niedrige Zinsen machen die Garantie teuer.

 

Mittlerweile ist die Kapitalgarantie durch die extrem niedrigen Zinsen eine absolute Belastung für die Riesterverträge geworden und verhindert schon in normalen Zeiten ordentliche Renditen. In Crash-Zeiten vernichtet sie die Rendite einiger Riesterprodukte praktisch komplett.

 

Wieso Riester-Fondssparpläne so stark betroffen sind

Riestersparen kann über verschiedene Durchführungswege gemacht werden, unter anderem über Banksparpläne, Bausparverträge, Abzahlung von Immobilienkrediten, Versicherungen oder eben über Fondssparpläne.

 

Die meisten Durchführungswege sind wegen der exrem niedrigen Zinsen kaum noch interessant. Man versucht deshalb, dass man die langfristig hohen Renditen der Aktienmärkte auch in Riester-Produkten nutzen kann.

 

Das geht zum einen über fondsgebundene Versicherungsverträge und zum anderen über Fondssparpläne in Aktienfonds. Beide müssen jedoch die Kapitalgarantie darstellen.

 

Bei den Versicherungen wird dazu das Anlagevermögen des Riester-Vertrages in 2 Töpfe aufgeteilt. Der erste Topf enthält Geld, das mit dem Garantiezins (aktuell 0,9% bei fast allen Gesellschaften) hochgerechnet wird und das so berechnet wird, dass es zum Rentenbeginn mindestens die Beitragsgarantie erreicht. Das übrige Geld sowie die Überschüsse aus dem ersten Topf, der regelmäßig höhere Renditen erreicht als der Garantiezins ist, werden in Aktienfonds angelegt. Dieses Sytem läuft unabhängig vom Börsengeschehen und stellt auch in Crash-Zeiten kein Problem dar.

 

Anders bei den Fondsgesellschaften, allen voran der Deutschen Bank Tochter DWS mit ihren rund 700.000 Riesterverträgen, der Genossenschaftlichen Union Investment oder der Sparkassenorganisation Deka. Dort wird die Kapitalgarantie über, für den Anleger nicht transparente, Algorithmen und Kapitalanlagestrategien gesteuert. Das Versprechen: Die Fondsgesellschaften würden die Verteilung des Anlegergeldes zwischen Aktien, Anleihen und sonstigen Wertpapieren automatisch so steuern, dass das Kapital garantiert ist und trotzdem gute Renditen erzielt würden.

 

Wer sich mit Kapitalanlagen beschäftigt weiß, dass das die Quadratur des Kreises wäre. Und genau daran scheitert das System, besonders in Crash-Zeiten. Extremes Beispiel ist das Finanz-Startup Fairr, das in dieser Situation alle Aktien-ETF’s in den Riesterverträgen verkaufte und nun 90 Prozent in Liquidität und 10 Prozent in Anleihen hält. Das ist extrem und widerspricht allem, was ausgezeichnete Investoren immer lehren. Der viel zitierte, seit Jahrzehnten erfolgreiche US-Investor Warren Buffet: „Sei gierig, wenn andere ängstlich sind“. Jetzt sind die Zeiten um Aktien zu halten und Aktien zu kaufen!

 

Was tun wenn man einen Riester-Fondsparplan hat?

Über 3 Millionen Deutsche riestern über einen Fondsparplan. Das geschilderte Problem kostet extrem Rendite und führt über die Jahre mit einem hohen Risiko zu einer Anlagerendite von null Prozent. Da aber der Anleger selbst meist nur einen Teil seiner Beiträge zahlt, der Rest vom Staat eingezahlt wird, sichert er sich trotzdem noch eine Verzinsung auf das nur von ihm eingesetzt Kapital.

 

Trotzdem: es geht besser; aus unserer Sicht mit Fondsparplänen in auf Versicherungen basierten Riester-Verträgen. Wer noch längere Zeit in seinen Riestervertrag einspart (15 Jahre oder länger), sollte den Wechsel prüfen.

 

Wer einen neuen Riestervertrag abschließt, muss sich der Risiken der intransparenten Fondssparpläne bewusst sein. Unsere Empfehlung sind aktuell ethisch-ökologisch anlegende Riester-Rentenversicherungen. Wer auf die Zuschüsse in den Riesterverträgen verzichtet, kann auch ohne Förderung aufgrund der niedrigeren Kosten und dem Verzicht auf die Kapitalgarantie mit normalen Ansparplänen in ETF’s oder Fonds ähnliche Ergebnisse erzielen. Dabei bleibt er flexibel und spart sich die komplizierten Riester-Regelungen (keine Beleihung, keine Vererbbarkeit, hohe Besteuerung in der Rentenphase, lohnend nur bei sehr langer Lebensdauer, etc.).

 

 

 

 

 

 

 

 

 



22. September 2016

[schema type=“review“ description=“Zusammenfassung: Altersvorsorge – ein Thema, das alle angeht. Gute Vorbereitung, sowohl finanziell als auch mental ist wichtig, um im Alter ein gutes und selbstbestimmtes Leben führen zu können. Um die richtigen Entscheidungen zu treffen, ist eine kompetente und individuelle Beratung hilfreich.“ ]

 

 

Frühzeitig um die private Altersvorsorge kümmern - da muss man durch!
Frühzeitig um die private Altersvorsorge kümmern – da muss man durch!

Alt – fast jeder will es werden, aber keiner will es sein. Aber was bedeutet Alter heutzutage, da fünfzig als das neue dreißig postuliert wird, teilweise sogar dreißig als das neue zwanzig. Eins ist klar – Deine statistische Lebenserwartung ist höher als die Deiner Eltern und Deiner Großeltern. Deshalb – und weil sich die gesamte demografische Entwicklung stark verändert hat – musst Du weitsichtig Deine Altersvorsorge planen. Schon heute deckt die gesetzliche Rente kaum noch die Hälfte der bis dahin erwirtschafteten Einkünfte ab und das Niveau wird weiter absinken. Darüber hinaus kann die zukünftige Rente durch Sozialabgaben und Inflation sehr viel geringer ausfallen als berechnet. Wenn Du möglicherweise selbstständig bist, ist die Altersvorsorge eine besondere Herausforderung, denn Du musst bei jedem verdienten Euro hier auch selbstständig an die Zukunft denken.

 

Wenn Du also auch im Alter – oder besser gesagt: nach dem Erwerbsleben – den erarbeiteten Lebensstandard halten willst, musst Du Deine private Altersvorsorge sorgfältig planen. Wir haben sieben Tipps für Deine Altersvorsorge zusammengestellt und weil Geld ja bekanntlich nicht alles ist, sind auch einige Tipps außerhalb der Finanzwelt eingestreut.

 

 

1. Der frühe Vogel fängt den Wurm

Nein, es ist nicht notwendig, früh aufzustehen um mit der Altersvorsorge zu beginnen. Vielmehr ist es richtig, dass bereits in jungen Jahren mit der Vorsorge begonnen wird, die Planung kann dann zu jeder beliebigen Tageszeit stattfinden. Denn gleichgültig, welcher Zinssatz eine Geldanlage bringt – die Länge der Laufzeit bewirkt einen enormen Zinseszinseffekt. Stell Dir vor, Du bist 25 Jahre alt, gerade ins Berufsleben eingetreten und legst monatlich 200 Euro an, die mit sechs Prozent verzinst werden (das ist bei langfristigen Anlagen mit Aktien weiterhin möglich). Dann hast du nach vierzig Jahren 96.000 Euro eingezahlt. Durch die Zinseszinsen stehen dir jedoch rund 400.000 Euro zur Verfügung. Wenn Du mit der Altersvorsorge mehr Zeit lässt und mit den gleichen Konditionen zehn Jahre später startest, hast Du mit 65 Jahren erst 72.000 Euro angelegt. Hier bewirkt der Zinseszinseffekt, dass Dir rund 200.000 Euro zur Verfügung stehen. Du bekommst also nur die Hälfte des Geldes, obwohl Du drei Viertel der Zeit eingezahlt hast – wenn das kein Argument für einen frühen Start ist.

 

 

2. Positiv denken, realistisch planen

Auch später mitten im Leben stehen.
Auch später mitten im Leben stehen.

Die amerikanische Schauspielerin Mae West hat einmal gesagt „Altern ist nichts für Feiglinge“ – Recht hat sie. Ein positives Bild vom eigenen Lebensabend zeichnen hat nichts mit Realitätsverlust zu tun. Sicher liegt es nicht völlig in unserer Hand, ob wir im Alter noch gesund, schmerzfrei und geistig rege sein werden. Sich ein Alter in grauen Farben auszumalen, hat jedoch schon viel mit der aktuellen Lebenseinstellung zu tun. Wer in allen Lebensphasen neugierig bleibt, Netzwerke knüpft, für andere da ist und sich nicht systematisch selbst limitiert, hat gute Chancen auch in den kommenden Jahrzehnten aktiv am Leben teilzunehmen. Ebenso wichtig: Nicht verunsichern lassen! Aktuell fühlen sich beispielsweise in Deutschland mehr als die Hälfte aller Erwerbstätigen nicht ausreichend für das Alter abgesichert. Aber diese Zahl sagt nichts über den tatsächlichen Status aus. Jetzt wie zukünftig gilt, ruhig Blut bewahren und die eigene Situation prüfen, sachlich und realistisch.

 

 

3. Staatliche Förderung – nicht unbedingt ein Schnäppchen

Der Staat empfiehlt und fördert die private Altersvorsorgeprodukte wie Riester- und Rürup-Rente. Sie bringen steuerliche Vergünstigungen oder direkte Zuschüsse. Allerdings erweisen sich diese Produkte nicht gerade als Schnäppchen sondern als eine aufwändige Form des quasi zinslosen Sparens. Die Anbieter von Riester-Renten-Verträge garantieren zwar mindestens die Auszahlung der Einzahlungen – aber auch nicht mehr. Durch Niedrigzinsen und Inflation schmälert sich die Anlage enorm. Darüber hinaus sind diese Verträge in der Verwaltung für die jeweiligen Gesellschaften relativ teuer, dem entsprechend spiegeln sich diese Kosten in den Verträgen wieder. Es ist daher gut die Augen offen zu halten und auch ungeförderte Spar- und Anlageprodukte zu prüfen. Sie sind ein wichtiger Faktor für den Aufbau einer soliden Altersvorsorge und können gerade in Zeiten der geringen Verzinsung interessante Rendite ermöglichen.

 

 

4. Kein frühzeitiger Altersstarrsinn – Beratung annehmen

Der Markt der Möglichkeiten im Bereich der privaten Altersvorsorge ist unübersichtlich und nicht immer einfach zu verstehen. Deshalb ist es sinnvoll, die persönlichen Grenzen zu kennen und Hilfe anzunehmen. Erfahrene Finanzberater analysieren Deine finanzielle Situation und können ein individuelles Angebot zusammenstellen, das genau auf Deine Bedürfnisse zugeschnitten ist. Und bei einer vertrauensvollen Zusammenarbeit kannst du jederzeit nachfragen, wenn Du etwas nicht verstanden hast.

 

 

5. Über den Tellerrand blicken

Du bist bereit, Dich mit Deiner Altersvorsorge aktiv auseinanderzusetzen? Dann denke auch daran, dass Dein Geld in der Welt etwas bewirkt. Informiere Dich über nachhaltige Finanzprodukte. Sie stehen in Sachen Rendite nicht hinter konventionellen Finanzprodukten zurück. Auch hier genießen Liquidität, Rendite und Risiko Priorität. Hinzu kommt jedoch, dass das Anlagevermögen in ethische und für Umwelt und Klima nachhaltige Projekte eingesetzt wird. Investitionen in Rüstung und Atomkraft sind hier genauso ausgeschlossen, wie Kinderarbeit und naturzerstörende Projekte. Nachhaltige Geldanlagen sind damit nicht nur ein Investment in Deine persönlichen Finanzen, sondern leisten auch einen generellen Beitrag für eine lebenswerte Zukunft weltweit.

 

 

6. Ordnung ist das halbe Leben

Du hast einen Plan für deine private Altersvorsorge gefasst und entsprechende Verträge abgeschlossen. Dann kannst Du Dich beruhigt zurücklehnen – doch halt, das Alter kommt schneller als man denkt und auch vorher gilt: Halte Deine Unterlagen in Ordnung. Einen Finanzordner anzulegen ist wichtig, um jederzeit einen Überblick über sämtliche Geldanlagen zu haben, auf Veränderungen zu reagieren und für Steuererklärungen nicht lange nach Belegen suchen zu müssen. Ob Du Deine Bankunterlagen im gleichen Ordner führst, musst du je nach Umfang entscheiden. Klar sollte jedoch sein, dass keine PINs oder TAN-Listen mit abgelegt werden. In der Praxis hat es sich bewährt, Unterlagen am besten sofort abzulegen und den Ordner mindestens einmal im Jahr durchzusehen.

 

 

7. Erinnerungen pflegen

Schöne Erinnerungen wach halten.
Schöne Erinnerungen wach halten.

Genauso wie die wichtigsten Unterlagen, sollten auch die wertvollsten Erinnerungen quasi jederzeit verfügbar sein. Eine gut gepflegte Kiste mit persönlichen Erinnerungsstücken ist nicht nur bei der Therapie von Demenz-Kranken sinnvoll. Die Zusammenstellung von diesen Dingen führt Dich auf das Wesentliche im Leben zurück und hält Gefühle und Erfahrungen am Leben. Eine solche Kiste sollte wohl sortiert und nicht zu umfangreich sein – auf keinen Fall sollte sie mit einem Archiv verwechselt werden. Denn hier geht es nicht um einen lückenlosen Lebenslauf sondern um Erinnerungen an Menschen und Begebenheiten. Großartig, wenn die ausgewählten Dinge auch unterschiedliche Sinne ansprechen. So können Gewürze, die an die Weihnachtsbäckerei in der Kindheit erinnern genauso in die Kiste wandern, wie beispielsweise das Lieblings-T-Shirt aus der Teenagerzeit oder die Muschel vom ersten gemeinsamen Urlaub am Meer. Auch individuell zusammengestellte Musikstücke sind möglich. Wer bereits in jungen Jahren eine solche Kiste anfängt, sollte diese immer wieder ergänzen und eventuell auch Dinge austauschen. Wer im Alter eine solche Kiste auspackt, bekommt immer wieder etwas von seinem Leben zurückgeschenkt.

 

Wenn dann auch noch die Finanzen in Ordnung sind, lässt sich der Lebensabend genießen. Im Freundeskreis die ein oder andere Erinnerung austauschen und die Momente, egal in welchem Alter mit wunderbaren Menschen wertschätzen, ist eine schöne Sache. Finanziell sorglos lässt sich auch im Seniorenalter das Leben feiern. Den Grundstein dafür legt eine gute Altersvorsorge mit Geldanlagen die Sinn machen.

 

 

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