Basics der grünen Geldanlage


9. März 2020

Keine rosigen Zeiten für Anleger. Geopolitische Spannungen, Handelskrieg zwischen Supermächten, Wachstumsschwäche, Rezessionsängste und objektiv rarer gewordene Renditeaussichten an den Kapitalmärkten machen Orientierung schwer. Der wohl am weitesten verbreitete Rat: globale, breite Diversifikation. Sie halten es mehr mit der Strategie des konzentrierten Portfolios. Taugt also in Ihren Augen der Rat zu einer maximalen Diversifikation nichts?

Markus Novak, Alliance Bernstein: Das eine schließt ja das andere nicht aus. Auch wir sind der Meinung, man muss gerade in solchen Zeiten diversifizieren. Die Kernfrage lautet aber: Wie viele Titel brauche ich wirklich, um hinreichend zu diversifizieren? Und:Welche Titel in einem Portfolio haben welchen Effekt auf den Tracking Error? Es gibt nach unserer Auffassung eine Grenze, ab der es nicht mehr sinnvoll ist, weiter zu diversifizieren, weil sich die damit verbundene Absicht und die Erwartung der Risikominimierung nicht realisieren lassen im direkten Vergleich mit einem konzentrierten Portfolio weniger vom Richtigen ist oft mehr.


Nun gibt es aber im Markt durchaus Angebote, die Diversifikation auf die Spitze treiben und in einem Fonds Tausende Titel allokieren.
Und die hatten schon in den Krisenjahren nach 2008 durchaus Erfolg, hatten selbst in diesen Jahren Nettomittelzuflüsse, während die Branche kollektiv litt. Auch die Performance muss sich bis heute nicht verstecken. Die Frage bleibt also: Was denn nun? Fokussierung auf wenig oder breiteste Diversifikation?


Novak:
Wir sind ein relativ großes Haus mit Assets in Höhe von fast 600 Milliarden US-Dollar, investiert in einer Vielzahl unterschiedlicher Produkte. Neben den konzentrierten Portfolien haben wir durchaus Lösungen im Haus, die sehr breit diversifiziert sind. Das heißt, wir überblicken durchaus den Horizont von konzentriert bis breitest diversifiziert. Unsere Investmentphilosophie präferiert aber den Ansatz des konzentrierten Portfolios. Mark Phelps, Chief Investment Officer und zuständig für Concentrated Global Growth, sagt immer: „Ich weiß lieber viel von wenig als wenig von viel.“ Sie haben ja gerade die Zeit unmittelbar nach der Finanzkrise angesprochen . Wir haben bei unseren Produkten einen so langen Track Record, dass wir auch mit den konzentrierten Produkten schon nachweisen können, dass sie unmittelbar nach der Finanzkrise gut gelaufen sind, also in den Jahren 2008, 2011, 2015 – den Börsenjahren, in denen es größere Verwerfungen gab.

Das heißt also, Sie sind nicht in Beweisnot, in diesen jeweils schwierigen Zeitfenstern positive Performance für Ihre konzentrierten Portfolien nachzuweisen?


Novak:
Im Gegenteil! Wir haben es mit unseren konzentrierten Portfolien geschafft, die jeweilige Referenzbenchmark gerade auch in diesen Krisenjahren deutlich outzuperformen. Die  Outperformance gegenüber den jeweiligen Benchmarks lag gerade in diesen Krisenjahren in der Größenordnung von 3 % bis 4,5 % in dem jeweiligen Jahr. Viele Anleger haben ja immer so ein Bauchgefühl. wenn sie „konzentriertes Portfolio“ hören: In positiven Märkten laufen die meistens besser als der Markt, mit dem Umkehrschluss, wenn es mal nach unten geht, verlieren diese stärker. Gerade Letzteres ist nicht der Fall. Konzentrierte Portfolien haben gerade in den Abwärtsphasen eine große Stärke bewiesen. Das können wir tatsächlich in Zahlen nachweisen.


Dann lassen Sie uns darüber sprechen, was ein konzentriertes Portfolio als Investmentstrategie wirklich ist und wie man überhaupt mit wenigen Einzeltiteln eine globale Diversifikation, deren Notwendigkeit ja unbestritten ist, darstellen kann.


Novak: Es
gibt wissenschaftliche Untersuchungen darüber, wieviele Titel man tatsächlich in einem Portfolio benötigt, um wirkungsvoll breit zu streuen. Ergebnis: In der Größenordnung von 20 bis ungefähr 35,40 Titel finden Sie in aller Regel die ideale Kombination für eine wirkungsvolle Diversifikation.Wenn Sie 100 oder mehr Titel allokieren, ist der Einfluss dieser größeren Diversifikation auf den Tracking Error nicht mehr signifikant und maßgebend. Also reicht eine kleinere Anzahl an Titeln tatsächlich, um eine ausreichende Streuung zu bekommen – an Sektoren, an Ländern, an einzelnen Branchen oder entsprechenden Subbranchen. Also, man spricht generell von konzentrierten Portfolien, wenn sie unter 50 Titel beinhalten, unser globales Portfolio
beinhaltet aktuell 33
Titel. Es gibt auch vergleichende Untersuchungen, wie konzentrierte Portfolien in steigenden wie in fallenden Marktphasen generell reagiert haben. Danach haben sich Portfolien mit einer Titelanzahl von weniger als 50 im Vergleich mit größeren Portfolien oder sogar mit passiven Instrumenten in den Aufwärtsphasen einen Tick besser entwickelt und in den Abwärtsphasen waren sie deutlich robuster. Aber es ist nicht allein die Konzentration per se. Es kommt auch auf das WAS, die Selektion an.

 

 


Wie gelingt es Ihnen denn, bei einem so eng selektierten Universum spezifische Themen abzubilden wie zum Beispiel unumkehrbare Megatrends, Demografie und Infrastruktur oder das Thema Digitalisierung? Findet man das in einem  konzentrierten Portfolio auch, gibt es dafür Raum?


Novak: Ja
, es gibt dafür Raum.Wenn wir unser globales konzentriertes Portfolio anschauen, werden Sie feststellen: Wir haben ungefähr zu 25 %im weitesten Sinne Technologie mit allen Subbranchen darin. Im Technologie- und auch im Pharmabereich fangen Sie durchaus viele dieser Megatrends und Megathemen ein, weil sie diese Branchen treiben. Der entscheidende Aspekt ist aber ein anderer: Wir kaufen nur Titel, bei denen wir der Meinung sind, die werden in einem Zeitraum der nächsten fünf Jahre ein Mindestgewinnwachstum von 10 % pro Jahr haben.
Also, wir schauen auf das Umsatzwachstum, aber auch sehr stark auf das Gewinnwachstum. Wir schließen irrationale Kurs-Gewinn-Verhältnisse, wie man sie zuhauf vor der Finanzkrise gesehen hat – hohe Kurse, kein Gewinn, aber Trendtitel- konsequent aus.

Dann beschreiben Sie uns doch mal kurz Ihren Analyse- und Investmentprozess auf dem Weg zu einem konzentrierten Portfolio?


Novak: Wir
sind der Überzeugung, dass nachhaltiges Gewinnwachstum über viele Jahre – also wirklich über einen langen Zeitraum – dann auch zu nachhaltig besserer Performance führt. Wir haben in unserem Investmentprozess einen vierstufigen Selektionsfilter. Aus einem großen Universum wir sprechen hier von ungefähr 2.500 Titeln, die uns zur Verfügung stehen – selektieren wir zunächst quantitativ nach der Marktkapitalisierung, z.B. bei unserem globalen Produkt betrachten wir nur Titel mit einer Mindestgröße von 2 Mrd. Marktkapitalisierung. Dann schauen wir
uns das Gewinnwachstum an. Haben die es tatsächlich  geschafft, ein Gewinnwachstum zu erzielen von mehr als 10 %p. a.? Dann schauen wir auch auf Faktoren wie Return on Investment. In dieser ersten Stufe reduzieren wir das Universum auf ca. 250 Titel. Dann gehen wir etwas mehr in die Tiefe der betriebswirtschaftlichen und bilanziellen Analyse, berücksichtigen auch ESG-Faktoren . Am Ende des Tages reduzieren wir auf ca. 100 bis 110 Titel für die dritte Selektionsstufe. Für diese 100 bis 110 machen wir seit vielen Jahren – konzentrierte Portfolien gibt es bei uns schon seit 1975 – für jeden einzelnen Titel eine fünfjährige Gewinnprognose. Die Maßgabe ist: mindestens 10 %Gewinnwachstum pro Jahr. Wir ermitteln somit einen Gewinn der Aktie von heute an gerechnet im Jahr 2025. Dann fragen wir uns: Was trauen wir denn dem Titel an GKV zu? Dabei haben wir eine Bandbreite von 80 bis 200 %. Diese Prognosen verkleinern ein weiteres Mal das Anlageuniversum. Und nun kommt die vierte Selektionsstufe: Wir haben die KGV- und Gewinnprognosen im 5-Jahres Horizont. Über einen einfachen Dreisatz lässt sich dann der Kurs in z. B. 2025 ermitteln. Den zinsen wir ab auf das heutige Niveau und erhalten damit einen „fairen Wert“ für diesen Titel aus heutiger Sicht, den wir mit dem aktuellen Börsenkurs vergleichen. Wenn der „faire Wert“  über dem aktuellen Kurs liegt, ist der Titel für uns grundsätzlich interessant. Und dann kommen die ins Portfolio, die die billigsten, also offensichtlich aktuell
unterbewertet sind. Bei mehreren Titeln aus einer Branche entscheiden wir uns für einen, maximal zwei, die in Summe die beste Prognose haben. Dieser Prozess ist über die Jahre unverändert, d.h. die Performance ist immer nur so gut wie es unser Analyseprozess über die letzten 35 Jahre war. Das klingt eigentlich einfach, man sagt immer, das kann jeder nachbilden, aber die Qualität, die den Unterschied macht, liegt in den Analyse- und Research-Teams, die für die Gewinnprognose verantwortlich sind. Und da gibt uns der Erfolg recht.


Welches der Selektionskriterien ist am Ende der wesentliche Performancetreiber in Ihrem Konzept?


Novak:
Der wesentliche Performancetreiber ist das Gewinnwachstum. Es gibt übrigens dazu eine interessante Studie. Die nach Marktkapitalisierung größten 1.000 Unternehmen wurden danach untersucht. welche es über die letzten 20 Jahre geschafft. haben, über 1,3 und 5 Jahre rollierend tatsächlich 10 % Gewinnwachstum zu realisieren, und es wurde festgestellt dass das Gewinnwachstum nicht nur der Treiber für dieWertentwicklung war, sondern die Outperformance dieser Titel bei  durchschnittlich 2,8 % lag. Und das ist übrigens genau die Outperformance, die das Concentrated Global Equity Portfolio unseres Hauses über die letzten Jahre zum Index erzielt hat Das eine ist die Theorie, das andere ist die Realität.

 

Fonds werden für Investoren gemacht. Wer ist der typische Anleger für Ihre Philosophie des konzentrierten Portfolios?


Novak: Das Konzept eignet sich natürlich eher für Leute, die sagen: „Ich suche ein langfristiges Aktieninvestment, bin möglichst hoch investiert, d.h., meine Cashquoten liegen irgendwo zwischen 3 und 4 %“. Also Privatanleger, die langfristig investiert sein und den Index schlagen wollen. Es eignet sich sowohl für Sparer mit Einmalanlagen, aber genauso für jegliche Art von Sparplänen – jedenfalls mit dem längeren Anlagehorizont. Es gibt da auch nicht unbedingt die Frage des „richtigen“ Timings. Also, wenn wir gefragt werden: „Wann ist denn der richtige Zeitpunkt, so ein Produkt zu kaufen?“, sagen wir: Es gibt eigentlich kein Timing, weil wir ja immer auf dieses Thema des Gewinnwachstums der nächsten fünf Jahre sehen. Also, der Einstiegszeitraum ist eigenthch immer der richtige.


Sie nannten das Stichwort schon: ESG. Wie definieren Sie ESG im Hier und Heute und bilden es in Ihrem Konzept ab? Und könnte es sein, dass gerade für ein konzentriertes Portfolio künftig zu wenige die Performance treibende Adressen übrigbleiben? Haben Sie da Zuversicht oder sind Sie da eher nervös?


Novak: Für uns ist das kein Modethema und wir sind auch nicht nervös. ESG ist in vielen unserer Produkte schon lange enthalten, auch wenn sie per Definition keine sustainable Produkte sind.Das Concentrated Global Equity Portfolio ist ein ganz normaler Long Only-Aktienfonds, beinhaltet aber tatsächlich ESG-Kriterien. Wir haben schon immer Ausschlusskriterien: Rüstungsgüter, Kohlebergbau, fossile Brennstoffe, Tabak. Das ist per Prospekt ausgeschlossen. Und wir berücksichtigen schon heute weitere ESG-Faktoren, zum Beispiel über MSCI oder Sustainalytics, als Teil unseres Selektionsprozesses und harte Ausschlusskriterien,wenn wir von 250 Titeln auf ca. 100 runtergehen. Außerdem: Das Kriterium 10%iges Gewinnwachstum schließt teilweise Branchen wie die Schwerindustrie aus. Wir halten de facto auch keine Öltitel – nicht,weil wir es per Prospekt ausgeschlossen haben, sondern über das Thema. Wir sehen ESG sogar eher als Performancetreiber, denn es dient der Risikovermeidung. Genügend Titel zu finden – kein Problem! Im Gegenteil: Wir zeigen bei den Titeln, die wir selektieren, sogar auf, wie die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen positive Effekte erzielt haben in einzelnen Unternehmen. Wir zeigen auf. wie der CO2-Footprint innerhalb des Portfolios und der ist de facto besser als der vergleichbare Index – deutlich besser. Also, ESG ist für uns ein ganz wichtiger Faktor und seit Langem fest verankert.

 

Herr Novak wir danken für das Gespräch.

 

 



14. November 2019

Sie kaufen Kaffee und Bananen aus fairem Handel, achten beim Fleisch auf ein Tierwohl-Label und beim Gemüse auf das Bio-Siegel der EU – aber wie sieht es mit Ihrer Geldanlage aus? Verdienen Sie Kapitalerträge möglicherweise mit Kohlestrom, Atomkraft, Massentierhaltung, Spekulation mit Nahrungsmitteln oder sogar Waffenhandel? Bei vielen Anlageprodukten bleibt die Verwendung des Geldes leider intransparent. Sogenannte ESG-Kriterien erlauben ein wenig mehr Durchblick, an einem einheitlichen Standard fehlt es aber.

Umwelt, Soziales und Unternehmensführung mit unterschiedlicher Auslegung

 

ESG steht für Environment, Social and Governance, die englischen Begriffe für Umwelt, Sozialstandards und eine daran ausgerichtete Unternehmensführung. Nun wird aber längst nicht überall dasselbe unter diesen Kriterien verstanden. In Deutschland würde eine Investition in einen Energieerzeuger, der Kernkraftwerke betreibt, niemals als ESG-konform bewertet, weil man bei uns der Kernkraft sehr kritisch gegenübersteht und auch politisch ein Ausstieg angestrebt wird. Unsere Nachbarn in Frankreich verweisen dagegen auf die Vermeidung von CO2 aus fossilen Energieträgern, wenn der Strom aus Atomkraftwerken kommt. ESG ist also kein Siegel wie etwa Fair Trade, das mit konkreten Anforderungen hinterlegt ist, erklären die Geldanlage-Experten des Vergleichsportals 9Brands. Es gibt zwar eine ganze Reihe von Zertifizierungen, zum Beispiel FNG (Fachverband nachhaltiger Geldanlagen), ECOreporter, GCX (Global Challenges Index), DJSI (Dow Jones Sustainability Index) und Climetrics, aber sie haben kaum einen kleinsten gemeinsamer Nenner. Beim FNG müssen beispielsweise nur 90 % der Anlage die Mindeststandards erfüllen, bei ECOreporter werden Produktion von und Handel mit Waffen bis zu 5 % toleriert. Vollstreckung der Todesstrafe ist dagegen ein harter Ausschluss – damit sind China und Indien beispielsweise außen vor, und natürlich auch die USA, wenn man hier nicht nach Bundesstaaten differenziert.

 

Nachhaltige Anlage in der Praxis

 

Was bedeutet diese verwirrende Vielfalt nun für den Anleger? Zunächst sollte nachhaltiges Investment kein Selbstzweck sein. Es geht schließlich um Rendite und Risiko. Eine Investition in erneuerbare Energien wird sich vermutlich auch finanziell lohnen, wenn wir die Energiewende einleiten. Gleiches gilt für Gesundheitsvorsorge oder Wasserversorgung, wobei im letztgenannten Fall sicher nicht alle Anlagen ESG-Kriterien entsprechen dürften. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit mehr auf Environment und Social, weniger auf Governance. Mit etwas Recherche werden Sie die Aspekte Umwelt und Soziales durchschauen, bei der Unternehmensführung ist das weit schwieriger. Vielleicht finden Sie einen Fondsmanager, der sich aktiv für eine Verbesserung bei ESG-relevantem Verhalten der Unternehmen einsetzt und bloßes „Greenwashing“ (Unternehmen geben sich nachhaltig, sind es in Wahrheit aber nicht) entlarvt. Auch das hat durchaus einen wirtschaftlichen Hintergrund in der Risikobewertung: Wer weiß, zu welchen Schadensersatzforderungen die Tabakindustrie künftig noch verurteilt wird – oder auch ein Nahrungsmittelhersteller, der sich vielleicht in Zukunft an den Kosten der Beseitigung von Plastikverpackungen in den Meeren beteiligen muss.



22. Oktober 2019

Wirtschaft und Anleger sind zunehmend in Moll gestimmt. Noch ist nicht ausgemacht, ob wirklich die dunkle Zeit des Zyklus anbricht oder ein Indian Summer bevorsteht.

 

(Bild: Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de)

 

Dieses Jahr hat schon viel gesehen: an den Aktienmärkten erst euphorische Stimmung, dann ein heftiger Einbruch im Juli, gefolgt von einer rasanten Erholung. Seit Jahresanfang steht unter dem Strich immer noch ein dickes Plus. Der Anleihenmarkt ist hingegen schon länger im Risiko-Modus. Anleger bewegen sich weg vom Risiko, hin zu sicheren Anleihen. So haben Bundesanleihen Allzeithoch, umgekehrt haben die Renditen ein Allzeittief erreicht. Und die Krisenwährung Gold ist auf den höchsten Stand seit sechs Jahren geklettert.

 



6. August 2019

Zusammenfassung: Viele denken bei der Rendite einer Geldanlage nur an die Brutto-Rendite. Manche ziehen auch noch die Kosten ab. Aber an die Steuern denken die wenigsten, dabei sind die Steuern der wichtigste Faktor. Wir zeigen Dir die besten Tipps um Steuern bei Deiner Geldanlage zu minimieren.

 

 

Wieviel Steuern verlangt der Staat bei Geldanlagen eigentlich?

 

Grundsätzlich werden bei Geldanlagen nur die Gewinne besteuert – und das mit der Kapitalertragssteuer / Abgeltungssteuer, in Höhe von aktuell 25% des Gewinns. Hinzukommt noch der Solidaritätszuschlag von 5,5%, so dass wir bei 26,375 Prozent des Gewinnes sind. Wer Kirchensteuer zahlt, muss noch weiter 8 Prozent (Bayern / Baden-Württemberg) bzw. 9 Prozent hinzu rechnen.

 

Pro Person, also auch schon für Säuglinge, gilt grundsätzlich der Sparerpauschbetrag (801 Euro pro Jahr), bis zu dessen Höhe keine Kapitalertragssteuern abgeführt werden müssen. Wer sowenig Einkünfte hat, dass er mit seinem persönlichen Steuersatz unterhalt der Abgeltungssteuer liegt, muss nur seinen persönlichen Steuersatz ansetzen. Dieser kann bei Schülern, Geringverdienern oder Rentnern sogar Null sein, so dass keine Steuern gezahlt werden müssen.

 

Ausnahmen gibt es jedoch genug: Wer in Beteiligungen investiert, muss meist die Gewinne mit seinem persönlichen Steuersatz, der häufig höher als die Abgeltungssteuer ist, versteuern. Bei ausländischen Beteiligungen gilt teilweise der Progressionsvorbehalt, d.h. die Gewinne werden zwar nicht direkt besteuert, erhöhen aber den persönlichen Steuersatz auf die sonstigen zu versteuernden Einkünfte.

 

Bei betriebliche Altersvorsorge-Auszahlungen, Auszahlungen aus Basis- oder Riesterrenten wird vom Prinzip der Besteuerung des Gewinns abgewichen: hier wird die volle Rentenauszahlung besteuert, also auch die vorher selbst eingezahlten Beträge (sogenannte „nachgelagerte Besteuerung“).

 

Was machen die Steuern auf Kapitalanlagen eigentlich aus?

 

Nur wenige haben jemals in Ihrem Leben eine Renditeberechnung Ihrer Kapitalanlagen nach Berücksichtigung von Kosten und Steuern gesehen. Die Berechnung ist komplex und nur wenige Softwaretools können das. Auch ist das Interesse von vielen Bankberatern nicht sehr groß, diese ungeschönten Zahlen zu zeigen und erklären zu müssen.

 

Aber schauen wir uns das einfach mal an einem kleinen Beispiel an. Sagen wir einfach, ein Anleger möchte etwas für’s Alter tun und legt monatlich 400 Euro zur Seite. Auf diese erzielt er 6% Rendite in ETF’s oder Fonds.

 

Hier die Zahlen:

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Auszahlung nach Kosten, ohne Steuern: 488.740 Euro

Auszahlung nach Kosten, mit Steuern: 372.690 Euro

(Berechnung: FLV-versus-Fonds.xls, Stand 6.8.2019, Helvetia, ohne Gewähr)

 

Wir sprechen über eine Differenz von 116.050 Euro!

 

Der Effekt ist bei langlaufenden Geldanlagen am deutlichsten zu spüren, aber auch kürzer laufende Anlageformen leiden unter den Steuern – man merkt es nur eben nicht so deutlich. Wer aber statt einmal 35 Jahre 7 mal für 5 Jahre Geld anlegt, hat mindestens das gleich, vielleicht sogar noch ein größeres steuerliches Defizit.

 

Steuer-Tipp 1: Steuerfrei Geld anlegen

 

Was Uli Hoeness 2 Jahre Gefängnis einbrachte, nämlich Kapitalanlage ohne Besteuerung zu betreiben, geht auch ganz legal. Genutzt wird die Tatsache, dass Todesfallleistungen einer Lebensversicherung kapitalertragssteuerfrei ausgezahlt werden.

 

Du legst Dein Geld in ETF’s oder Fonds an und erzielst die damit üblichen Renditen. Als Verwahrstelle der Fonds wird aber kein herkömmliches Wertpapierdepot genutzt, sondern eine Fondspolice mit Todesfallleistung.

 

Der Clou dabei: wenn die im Vertrag eingesetzte Person verstirbt, wird die sogenannte Todesfallleistung ausgezahlt. Das wäre in dem Fall der Wert all Deiner Fonds / ETF’s.

 

In der Praxis wird meist der Vater oder die Mutter eingesetzt, da diese bei natürlichem Lebensverlauf so um die 25 bis 30 Jahre früher versterben als der Anleger. Verstirbt zum Beispiel der Vater im Alter von 83 Jahren, so würde der Anleger mit 58 Jahren das Kapital steuerfrei ausgezahlt bekommen.

 

Für unsere obige Beispielrechnung gilt dann: Auszahlung 488.740 Euro.

 

PS: Natürlich kann man auch vorher über das Geld verfügen; allerdings sind dann die üblichen Steuern zu entrichten.

 

Steuer Tipp 2: Depotinhaber gut überlegen

 

In Deutschland verfügt jeder Mensch über 801 Euro Sparerpauschbetrag oder Freibetrag. Wer unterhalb der jeweils aktuellen Einkommenssteuergrenze (aktuell: 9.000 Euro im Jahr) Einkommen erzielt, zahlt keine Steuern auf Kapitalanlagen.

 

Wer also beispielsweise monatlich Geld für sein Kind oder seinen Enkel anlegen möchte, kann das statt auf den eigenen Namen auch auf den Namen des Kindes machen und damit dessen Freigrenzen nutzen.

 

 

Für unsere obige Beispielrechnung gilt dann: Auszahlung 383.072 Euro.

 

 

Steuer Tipp 3: Bei hohen Einkommen an Basisrente oder Riester denken

 

Wer über ein hohes Einkommen verfügt muss entsprechend viele Einkommenssteuern zahlen. Zur Berechnung wird das zu versteuernde Einkommen eines Jahres herangezogen, also das Bruttoeinkommen minus Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen, individuelle Freibeträge und außergewöhnliche Belastungen.

 

Das zu versteuernde Einkommen kann verringert werden, in dem man Beiträge in eine Basisrente (=Rüruprente) oder in eine Riesterrente einzahlt. Natürlich muss man sich dann über diese Verträge zunächst Gedanken machen, denn sie sind eher unflexibel und teilweise mit teuern Kapitalgarantien versehen. Besonders unter Berücksichtigung der Steuern lassen sich aber sehr gute Ergebnisse erzielen.

 

Sowohl Rürup- als auch Riesterrente werden als lebenslängliche, monatliche Rente ausgezahlt. Einen Vergleichswert laut obiger Rechnung kann man entsprechend nicht angeben.

 

Steuer Tipp 4: Flexibel in ETF’s / Fonds investieren und trotzdem Steuern sparen

 

Wer mit den Einschränkungen von Riester und Rüruprenten nicht klar kommt, kann trotzdem noch ordentlich Steuern sparen – mit privaten Rentenverträgen. Achtung: lass Dich nicht vom Namen irritieren, denn die privaten Rentenverträge lassen sich auch problemlos zur Anlage einer Einmalsummer und zur Auszahlung einer Einmalsumme nutzen. Die Auszahlungen können zu jedem Alter erfolgen, also auch vor dem Rentenalter!

 

Bei der privaten Rentenpolice erfolt während der sogenannten Ansparphase überhaupt keine Besteuerung. Die Ansparphase ist die Phase, bevor Geld das Geld über eine Auszahlung oder über eine Rentenzahlung aus dem Vertrag entnommen wird.

 

Das Schöne daran: Man kann bedenkenlos einen Fonds / ETF wechseln, ohne dass das – wie in einem normalen Depot – eine Besteuerung auslöst.

 

Bei der Auszahlung gilt, wenn man 12 Jahre im Vertrag war und älter als 62 Jahre ist, das Halbeinkünfteverfahren. Man muss nur die Hälfte der aufgelaufenen Gewinne besteuern. Das erfolt dann mit dem individuellen Steuersatz. Diese Besteuerung ist in jedem Fall günstiger als die Abgeltungssteuer.

 

 

Für unsere obige Beispielrechnung gilt mit Halbeinkünfteverfahren: Auszahlung 431.488 Euro.

 

Steuer Tipp 5: Zum Jahresende Sparerpauschbeträge nutzen

 

Wie oben beschrieben stehen in Deutschland jedem 801 Euro an Kapitalerträgen pro Kalenderjahr ohne Besteuerung zu.

 

Wer also am Ende eines Kalenderjahres vielleicht erst 200 Euro an Gewinnen besteuert hat, würde 601 Euro an Freibetrag verschenken.

 

In dem Fall könnte also ein Wertpapierverkauf mit 601 Euro Gewinn Sinn machen, denn damit wird der Freibetrag ausgenutzt und wird nicht verfallen gelassen.

 

Für unsere obige Beispielrechnung gilt mit Halbeinkünfteverfahren: Auszahlung 383.072 Euro.

 

Fazit: Steuern bei der Kapitalanlage sparen

 

Es gibt nach wie vor gute Möglichkeiten um bei der Kapitalanlagen an der Steuer zu sparen. Die Fälle sind jedoch höchst individuell.

 

Rufen Sie uns gerne an, wie helfen Ihnen weiter. Telefon 0 60 21 – 369 29 – 19.

 

 

 

 

 



7. Mai 2019

 

Der Wechsel von Heizöl zu Flüssiggas ist gerade in ländlichen Gebieten ohne Erdgasanschluss zum absoluten Trend geworden. Immer mehr Eigenheimbesitzer nutzen die großen Anreize vom Staat für den Heizungstausch und nehmen bis zu 15 % Förderung auf die gesamten Kosten des Heizungswechsels mit.

 

Flüssiggasheizung bringt viele Vorteile

 

Neben der Tatsache dass Flüssiggas in der letzten Zeit deutlich günstiger war als Heizöl, stinkt ein Flüssiggastank nicht und der Energieträger ist wesentlich sauberer. Neben 15 % weniger CO2 fallen auch die Stickoxidemissionen um 15 % niedriger aus als bei Heizöl. Zudem benötigt eine Gasheizung weniger Platz in Ihrem Haus und auch der Kellerraum mit dem Öltank wird frei. Gasheizung haben insgesamt den Vorteil einen deutlich größeren Brennwertnutzen zu haben. Moderne Heizungen kommen dadurch, dass Sie auch die Wärme aus dem Abgas nutzen auf Wirkungsgrade um die 96 %. Der Energieverlust bei der Umwandlung in Wärme ist also sehr gering und man kann viel Energie sparen.

 

 

Von Öl auf Flüssiggas umstellen lohnt sich nicht nur für die Umwelt. Es gibt auch noch finanzielle Vorteile.

 

 

Fachunternehmen sind Pflicht

 

Die Öltankentsorgung muss ein dafür zugelassenes Fachunternehmen erledigen. Nur wenige Tropfen Heizöl können große Mengen Boden oder Grundwasser verunreinigen. Eine Sanierung von Erdreich ist sehr teuer. Deshalb ist der die Öltankentsorgung nur durch ein zugelassenes und ausreichend versichertes Fachunternehmen durchzuführen.

 

Lassen Sie auch die Heizung und den Gastank nur von einem Fachunternehmen einbauen. Nur dann haben Sie die Sicherheit, dass alles aufeinander abgestimmt und den aktuellen Regeln der Technik entspricht. Gerade beim Gastank ist es besonders wichtig, dass alle technischen Regeln eingehalten werden. Andernfalls kann bei einer unabhängigen Prüfung die Auflage erteilt werden den Gastank zu versetzen, was natürlich mit Aufwand und Kosten verbunden ist.

 

Neben der Tatsache, dass die Beauftragung von Fachbetrieben Voraussetzung für die eine Förderung durch den Staat ist, können Sie auch nur dann davon ausgehen, dass die Anlage richtig eingestellt ist und die maximale Ersparnis bringt.

 

Förderung beantragen bringt bares Geld

 

Neben der den geringeren laufenden Kosten fördert der Staat Sie auch bei der Investition für die moderne Heizung. Über das Programm der Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW 430 können Sie bis zu 15% der Kosten (max. 15.000 Euro für 2 Wohneinheiten) wiederbekommen. Wer die Maßnahme lieber finanzieren möchte bekommt über das Programm KfW 152 einen Zinssatz von 0,75% jährlich und zusätzlich bis zu 12,5% Tilgungszuschuss. Gefördert wird die gesamte Maßnahme inklusive der Installationskosten. Das bedeutet neben der Heizung auch der Flüssiggastank und der Hausanschluss. Wichtig ist nur, dass Sie den Antrag vor Beauftragung der Modernisierung ihrer Heizungsanlage einreichen. Auch hier empfiehlt sich ein Gespräch mit einem Fachmann – zum Beispiel Ihrem Heizungsbauer oder Energieberater.