Gerd


7. November 2018

 

Robo Advisor treten an um die persönliche Vermögensverwaltung durch einen Berater aus Fleisch und Blut in einen Online-Prozess zu wandeln. Das geht schneller, 24-Stunden rund um die Uhr und ermöglicht auch für normale Menschen Anlagestrategien, wie sie zuvor nur für sehr wohlhabende Kunden zur Verfügung standen. Das alles zu sehr niedrigen Kosten.

 

Meist beantwortet dazu der User einige Fragen und bekomme im Anschluss durch den Robo Advisor einen Anlagevorschlag erstellt. Dieser Anlagevorschlag kann durch den Anleger angenommen und umgesetzt werden. Die laufende Betreuung der Wertpapiere übernimmt ebenfalls der Robo Advisor.

 

Meist sind die heutigen Angebote auf ETF-Strategien für an den Börsen gehandelte Wertpapiere beschränkt. Ein echtes Robo Advisory würde ja grundsätzlich auch viele andere Produktekategorien wie Fondspolicen, Zertifikate, AIF’s oder aktive Fonds umfassen.

 

Wir erklärenen Ihnen alles was Sie über Robo Advisor wissen müssen.

 

Inhalt

 

Klicken Sie auf die Titel um zum Kapitel zu springen <

 

1. Wie ist der Robo Advisor aufsichtsrechtlich einzuordnen?
2. Was ist ein Robo Advisor?
3. Robo Advisor: worin unterscheiden sich die Angebote?
4. Sicherheit und Risiko bei Robo Advisor
5. Gebühren und Kosten bei Robo Advisor
6. Was spricht für und was gegen Robo Advisory?
7. Wie geht es weiter mit dem Robo Advisor Markt?

 

 

Wie ist der Robo Advisor aufsichtsrechtlich einzuordnen?

 

Wer in Deutschland andere bezüglich derer Finanzanlagen berät benötigt dafür eine Lizenz. Diese erhält er nur, wenn bestimmte Vorraussetzungen wie Fachkompetenz, persönliche Kompetenz, abgeschlossene Haftpflichtversicherungen oder geordnete Vermögensverhältnisse vorhanden sind.

 

Die entsprechenden Zulassungen sind auf Berater aus Fleisch und Blut ausgelegt – eine eigene Regelung für Robo Advisor gibt es derzeit nicht. Entsprechend müssen hinter den Robo Advisoren immer noch Unternehmen stehen, die die eigentlichen Zulassungen halten.

 

Die beiden anschließend beschriebenen Zulassungen sind beide bei Robo Advisoren vorzufinden.

 

Vermögensverwalter mit §32 KWG Lizenz

 

Das ist die umfangreiche, aufwendig zu erwerbende Lizenz. Sie wird offiziell Finanzportfolioverwaltung genannt und ermächtigt den Vermögensverwalter, im Rahmen eines vom Anleger vorgegebenen Auftrags Wertpapiere im Namen des Anlegers zu handeln.

 

Finanzanlagenvermittler mit §34f Gewerbordnung

 

Neben den oben genannten Vermögensverwaltern gibt es auch noch die Bereichsausnahme des § 2 Absatz 6 Satz 1 Nummer 8 des Kreditwesengesetzes. Danach dürfen, je nach Umfang der Zulassung, auch bestimmte Teilbereiche von Vermittlern erbracht werden, die nicht über die umfangreiche (und damit teure) Lösung nach §32 KWG verfügen.

 

Diese dürfen dann zum Beispiel Beratung und Vermittlung von Investmentfonds, geschlossenen Fonds oder Vermögensanlagen erbringen.

 

Was ist ein Robo Advisor?

 

Aus Sicht des Interessenten ist der Robo Advisor zunächst ein Internet-Angebot, bei dem er einen (meist kostenlosen) Anlagevorschlag für eine Geldanlage erhält.

 

Dazu muss er Angaben machen wie Geburtstag, bisherige Erfahrungen mit Geldanlagen, Risiko-Neigung, Vermögensverhältnissen, Rendite-Vorstellungen und Anlagehorizont.

 

Im nächsten Schritt erhält er dann den für ihn passenden Anlagevorschlag. Dieser beruht meist auf ETF’s, kann aber auch andere Anlageklassen beinhalten. Der Anlagevorschlag basiert praktisch immer auf einer sehr breiten Auswahl an Wertpapieren, so dass die Verlust-Risiken begrenzt werden. Kursschwankungen sind allerdings trotzdem zu erwarten und müssen – je nach Risikoprofil des Anlegers – verkraftet werden.

 

Erst jetzt erfolgt meist die Entscheidung durch den Anleger, ob er tatsächlich die Anlage bei diesem Robo Advisor vornehmen möchte. Dann erfolgt die Depoteröffnung.

 

Robo Advisor: worin unterscheiden sich die Angebote?

 

Auch wenn es viele Gemeinsamkeiten gibt, unterscheiden sich die Angebot im Detail. So sind die gestellten Fragen unterschiedlich, die Anlagestrategien, die Kosten und die Betreuung nach Abschluss eine Anlage.

 

Bedeutender als die Unterschiede zwischen den einzelnen Robo Advisor sind allerdings die Unterschiede in den jeweiligen Anlagestrategie. Dass der Interessent eine für ihn passende Anlagestrategie vorgeschlagen bekommt ist wichtiger für den langfristigen Anlageerfolg als Zehntelpunkte Kostenunterschiede oder ob 3, 7 oder 17 unterschiedliche Strategien zur Verfügung stehen.

 

Wer zusätzlich auch ethische-ökologische Kriterien berücksichtigen möchte, hat allerdings nur einen sehr kleinen Kreis an möglichen Anbietern. Die meisten Robo Advisor kennen das Thema Ethik & Ökologie überhaupt nicht oder setzen es nur mit Green Washing Aktionen um.

 

Sicherheit und Risiko bei Robo Advisor

 

Risiken bei der Geldanlage lauern an unterschiedlichen Stellen. Eine 100-prozentig sichere Geldanlage gibt es übrigens nicht, auch nicht beim Robo Advisor. Auch das so häufig genannte Kopfkissen als Geldanlage ist übrigens nicht sicher, schließlich gibt es immer wieder Einbrüche.

 

Risiko 1: Die Anlagebank

 

Der Robo Advisor nutzt in aller Regel eine Bank zur Abwicklung der Wertpapiergeschäfte. Alle Wertpapiere bei deutschen Banken bleiben immer im Besitz des Eigentümers, so dass diese grundsätzlich von einer Insolvenz der Bank oder auch des Robo Advisors nicht betroffen sind. Anders sieht es mit Konten aus. Wenn also beispielsweise das Anlagegeld zunächst auf eine Konto der Bank überwiesen wird und vor Kauf der Wertpapier die Bank insolvent geht, müsste die Einlagensicherung greifen.

 

Die Einlagensicherung deckt europaweit mindestens 100.000 Euro pro Kunde und Bank ab. Viele Banken sind jedoch auch darüber abgesichert. Doch gerade wer die Krisen 2008 und 2011 miterlebt weiß: auch Sicherungssystem können überfordert sein. Nach der Rettung von 2 oder 3 Großbanken könnte das im Extremfall passieren. Dann wären die Garantien ebenfalls wertlos – glücklich wäre, wer sein Geld in Wertpapieren statt auf Konten hätte.

 

Risiko 2: Anlagestrategie

 

Während das Risiko 1 nur in Extremfällen zuschlagen dürfte, ist die Anlagestrategie des Robo Advisors für die meisten Kunden das größere Risiko.

 

Besonders in einer Zeit wie der unsrigen, in der viele Menschen und viele Anlageberater und Software-Programmierer noch keine großen oder sehr gr0ßen Kursrückgänge erlebt haben. Schließlich kennen die Wertpapierbörsen seit 2008 praktisch nur den Weg nach oben.

 

Egal bei welchem Robo Advisor: wer eine der renditeträchtigeren Strategien auswählt sollte unbedingt einen längerfristigen Zeithorizont dafür haben. Nur dann werden die zwischenzeitlichen Kursrückgänge auch zuverlässig wieder durch Gewinne ein- und überholt.

 

Gebühren und Kosten bei Robo Advisor

 

Die Kosten bei Robo Advisory sind transparent und durchwegs sehr niedrig. Sie können aufgeteilt werden in Portfolio-Kosten und in Servicegebühren.

 

Portfolio-Kosten

 

Die Portfolio-Kosten sind ganz allgemein die Kosten, die auch ohne die Nutzung eines Robo Advisor anfallen würden, anzusehen. Das sind beispielsweise die Kosten für den Handel von Wertpapieren, laufende Kosten von ETF’s / Fonds, Performance-Fees von ETF’s/Fonds oder Depotgebühren.

 

Setzt der Robo Advisor auf ETF’s – wie das die meisten tun – sind die jährlichen Kosten dort mit rund 0,25 bis 0,5 Prozent anzusetzen. Diese werden direkt dem ETF-Guthaben entnommen und reduzieren damit die Rendite. Bei allen Rendite-Angaben zu ETF’s oder Investmentfonds sind diese Kosten zuvor schon abgezogen.

 

Teilweise sind Gebühren für den Tausch der ETF’s extra in Abzug zu bringen, teilweise sind diese Gebühren über die Servicegebühr des Robo Advisor abgedeckt. Speziell wenn die Gebühren für einen Tausch direkt vom Anleger zu tragen sind ist es wichtig, wie häufig der Robo Advisor umschichtet, denn jede Umschichtung kostet den Anleger in diesem Fall Geld. Unabhängig von den Transaktionskosten muss der Anleger beim Handel auch Steuern auf Gewinne entrichten; die ruhige Hand mit wenig Umschichtungen hat also erhebliche Vorteile.

 

Servicegebühren

 

Die Servicegebühren sind die eigentlichen Robo-Advisor-Kosten. Mit diesen werden die Kosten für den Internetauftritt, die Entwicklung und Umsetzung der Anlagestrategien und des Services bestritten.

 

In vielen Fällen werden daraus auch die Kosten für den Tausch von ETF’s oder für die Übernahme der Depotgebühr entnommen.

 

Sie betragen je nach Anbieter zwischen 0,25 Prozent und 1,5 Prozent der durschnittlichen Anlagesumme pro Jahr. Sie hängen vom Anbieter, der gewählten Strategie und häufig von der Anlagehöhe ab (je höher, umso niedrigere Gebühren).

 

Steuern

 

Wie bei anderen Anlagen in Investmentfonds auch so müssen auch bei Robo Advisoren Steuern entrichtet werden.

 

Seit 2009 wird dazu in Deutschland die sogenannte Abgeltungssteuer auf Zinsen, Dividenden und Kursgewinne erhoben. Von diesen behält das Finanzamt 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag (5,5 Prozent der Abgeltungssteuer) sowie seit 2015 auch Kirchensteuer ein.

 

Mit der Abgeltungssteuer, die direkt von der Bank einbehalten wird, ist Ihre diesebezügliche Steuerschuld beglichen.

 

Achten Sie darauf, dass Sie die Ihnen zustehenden Freibeträge, die zum Sparerpauschbetrag kombiniert 801 Euro (für ledige) betragen, ausnutzen. Stellen Sie dazu am besten Freistellungsaufträge bei Ihren Banken.

 

Bei Investmentfonds (inkl. ETF’s) gilt, dass die Abgeltungssteuer jährlich auf eine Pauschale anfällt. Die Steuer wird von der Bank direkt abgeführt. Die Pauschale orientiert sich am Wert des Fonds und einem Basiszins. Beim Verkauf der Fonds wird die tatsächliche, über die gesamte Laufzeit ermittelte Rendite um die über die Jahre gezahlten Pauschalen korrigiert.

 

Die steuerliche Behandlung Ihrer Fonds / ETF’s ist praktisch bei allen Robo Advisoren identisch.

 

Was spricht für und was gegen Robo Advisory?

Vorteile

  • es liegt automatisch eine breite Streuung und damit gute Sicherheit vor
  • die Anlagestrategie ist klar und transparent
  • hohe Kostentransparenz
  • sehr zeit- und kostenoptimiert von zu Hause aus zu erledigen
  • schon für relativ geringe Anlagebeträge nutzbar
  • geringe Kosten

Nachteile

  • trotz geringer Gebühren: selbst anlegen ist kostengünstiger
  • Anleger braucht gewisse Grundkenntnisse
  • die meisten Robo Advisor haben noch keine Krisen mitgemacht und sich dort behauptet
  • die Strategien sind standardisiert und wenig individualisiert
  • meist keine Beratungsleistung oder nur gegen Honorar

 

Wie geht es weiter mit dem Robo Advisor Markt?

In den Jahren ab 2016 wurden in Deutschland verschiedene Modelle auf den Markt gebracht. Bei den allermeisten Robo Advisoren fehlen deshalb langfristige Erfahrungswerte. Speziell die Frage, wie sie Krisen wie 2008, 2000, 1987 oder gar ein verlorenes Jahrzehnt wie in den 1970er Jahre meistern, kann niemand verlässlich vorher sagen.

 

Kaum einer der Robo Advisor verdient derzeit Geld. Es geht um Skalen-Effekte und es ist zu vermuten, dass langfristig ein Konzentrationsprozess auf dem freien Markt einsetzen wird. Parallel dazu wird es “Inhouse” Robo Advisor geben. Diese werden von Banken betrieben, die unrentable Anlagesummen auf die Robo Advisor verlagern werden wird. Die Berater der Bank kümmern sich dann nur noch um vermögendere Kunden.

 

 

 

 

Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer von klimafonds.de. Gerd Junker: “Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.” Mehr zu ihm auf Xing und Facebook.

 

 



18. Juli 2018

Wunderbar: Sie haben geerbt, eine Lebensversicherung ausgezahlt bekommen oder eine Immobilie verkauft und verfügen über eine größere Summe Bargeld. Eine Situation, auf die viele ein Leben lang warten. Doch spätestens wenn das Geld auf dem Konto ist stellt sich die Frage, was damit tun? Wir haben Ihnen 7 Punkte zusammen gestellt, die Sie unbedingt beachten sollten.

 

 



4. Juli 2018

Zusammenfassung: Der Blick in die Zukunft ist spannend … besonders bei einem so wichtigen Thema wie den Finanzen. Doch wie kann ich realistisch abschätzen, wie sich mein Vermögen in den nächsten 10 Jahren entwickelt? Wir haben einfache Faktoren entwickelt, die Ihnen diesen Blick in die Zukunft erlauben.

 

 

 

Ist es der Traum vom vorzeitigen Ruhestand? Oder vom lang ersehnten Porsche? Oder geht es darum, mehr Sicherheit durch ein beruhigendes finanzielle Polster zu gewinnen? Oder möchten Sie einfach mal eine Projektion, wie sich Ihr Vermögen entwickeln sollte?

Ich wage den Blick in die Glaskugel und möchte Ihnen aus professioneller Sicht aufzeigen, wie sich Ihr Vermögen über einen Zeitraum von 10 Jahren entwickeln könnte.

Dabei gehe ich die wichtigsten Anlageklassen durch. Sie brauchen dann nur noch für sich ausrechnen, wieviel Kapital Sie in welcher Anlageklasse haben und es mit dem 10-Jahres-Faktor, den ich in jedem Kapitel benenne, multiplizieren.

Wichtig: Der 10-Jahres-Faktor lässt sowohl Steuern also auch Inflation außen vor! Deshalb zu Steuern und Inflation ein paar Vorüberlegungen in Kapitel 1.

[Die Kapitel sind verlinkt: klicken Sie auf eine Kapitelüberschrift und springen Sie direkt ins Kapitel]

Kapitel 1: Ihre Feinde – Inflation und Steuern
Kapitel 2: Bankanlagen
Kapitel 3: Bausparverträge
Kapitel 4: Klassische Lebens- und Rentenversicherungsverträge (inkl. Riester und Rürup)
Kapitel 5: Fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungsverträge (inkl. Riester und Rürup)
Kapitel 6: Neue Lebensversicherungsverträge
Kapitel 7: Immobilien
Kapitel 8: Anleihen
Kapitel 9: Aktien
Kaptiel 10: Rohstoffe, Gold, Silber oder Diamanten
Kapitel 11: Ihre Berechnung



27. Juni 2018

Zusammenfassung: Eine im Handelsblatt zitierte Umfrage von YouGov im Auftrag der AXA Versicherungen zeigt, dass die berechtigte Sorge der Deutschen vor Altersarmut steigt. Nur mit der Anlage in renditeträchtige Anlageformen kann der Arbeitnehmer für einen austräglichen Ruhestand sorgen.

 

Altersarmut in Deutschland

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Neue Rentenkomission
Konkrete Lösungen
Vergleich verschiedener Lösungen

 

 

Die vollkommen zu recht geführte Diskussion über die finanzielle Versorgung der Deutschen im Alter zeigt Wirkung: nach einer AXA Umfrage, über die das Handelsblatt in seiner Ausgabe vom 26. Juni 2018 berichtet, sehen 4 von 10 befragten Berufstätigen dem Ruhestand mit Sorgen entgegen – bei einer Umfrage von vor 2 Jahren waren es erst 2/3.

 

Wie Patrick Dahmen, Vorstand bei der Versicherungsgesellschaft AXA ausführt, ist “die Rente das wichtigste Theme für die Deutschen”. Immerhin 70 Prozent fordern vom Staat, sich um höhere Renten zu kümmern. Die Ergebnisse gelten dabei quer durch alle befragten Altersklassen und Einkommensgruppen.

 

Erst danach folgen Punkte wie eine bessere Gesundheitsversorgung, bessere Schulen oder mehr Wohnungen.

 

“Die breit diskutierte Angst vor Altersarmut schreckt die Menschen auf”, so Dahmen weiter. Die Menschen haben recht, denn das aktuelle Rentenniveau ist auf Dauer nicht haltbar. Doch da viele mit den privaten Alternativen wie Riesterrenten oder Lebensversicherungen, nicht zu letzt wegen dem anhaltenden Niedrigzinsniveau, schlechte Erfahrungen gesammelt haben, halten Sie viel Geld auf unverzinsten Konten und fordern den Staat zu Handlungen auf.

 

Die große Koalition hat darauf bereits reagiert. Laut Koalitionsvertrag soll bis 2025 das Rentenniveau nicht weiter sinken. Das Nettorentenniveau ist bereits seit 2001 von 53 auf 48 Prozent geschrumpft. Gleichzeitig soll der Rentenbeitrag der Arbeitnehmer nicht über 20 Prozent steigen.

 

Bleibt die Konjunktur und damit die Beschäftigung in Takt, ist das bis 2024 wohl ohne Steuerzuschüsse gut möglich.

 

Bitter wird allerdings die Zeit nach 2025, wenn die Baby-Boomer-Jahrgänge das Erwerbstätigenalter verlassen und sprunghaft die Anzahl der Rentner ansteigen lassen werden. Das weiß auch die große Koalition, deshalb die 2025-Grenze im Koaltionsvertrag.

 

Sie hat deshalb eine neue Rentenkomission eingesetzt, die bis März 2020 Vorschläge erarbeiten soll. Sie muss allerdings mit Rahmenbedingungen auskommen, die nur wenig Spielraum lassen. So sollen die abschlagsfreie Rente ab 63 noch die Koaltionsvertragsvereinbarungen in Frage stellen. Dazu Professor Raffelhüschen von der Uni Freiburg: “Die Rentenkomission ist ein Feigenblatt für die beschämenden rentenpolitischen Fehler der Vergangenheit und die Vorabbeschlüsse der neuen Koalition.”

 

Konkrete Lösungen gegen die Altersarmut

 

Es gibt mehrere Komponenten aus denen sich das Einkommen im Ruhestand zusammen setzt. Meist ist die gesetzliche Rente die Basis. Wie die Diskussionen von oben zeigen, dürfte deren Niveau in Zukunft auf ca. 40 bis 43 Prozent des letzten Nettoeinkomens absinken.

 

Weitere Komponenten können die Betriebsrente, die Basisrente, die Riester-Rente oder eine private Rente sein. Allesamt sind recht komplizierte und staatlich geregelte Formen, die nach individueller Beratung für einzelne Anleger passen können. Gegen geringe Entgelte können Sie sich Ihre individuelle Situation von uns persönlich beleuchten lassen: Beratungsmodule.

 

Der einfachste Weg ist sicher die breit gestreute Anlage in Aktien-ETF’s, je nach zur Verfügung stehender Zeit bis zum Rentenbeginn mit einer Beimischung von Anleihen-ETF’s.

 

Lassen Sie uns die verschiedenen Ansparmöglichkeiten vergleichen:

 

Sparbuch Klassische Lebensversicherung Ausgewogenes Portfolio Aktien-Portfolio
Langfristiger Zins / Rendite (Prognose) 1% 2,50% 4% 6%
Anlagebetrag pro Monat 100 100 100 100
Anlagezeit 37 Jahre 37 Jahre 37 Jahre 37 Jahre
Besteuerung Abgeltungssteuer Halbeinkünfteverfahren Abgeltungssteuer Abgeltungssteuer
Kapitalauszahlung ja ja ja ja
Lebenslange Rentenzahlung nur nach Einzahlung in Rentenvertrag ja nur nach Einzahlung in Rentenvertrag nur nach Einzahlung in Rentenvertrag
Endkapital (vor Steuern) 53.698,48 € 72.651,41 € 100.166,95 € 157.685,20 €
Ethisch-ökologisches Angebot
Ethikbank, GLS Bank, Triodos, Umweltbank, etc. Oeco Capital, Stuttgarter

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Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer von klimafonds.de. Gerd Junker: “Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.” Mehr zu ihm auf Xing und Facebook.

 

 



20. Juni 2018

Zusammenfassung: Heute vor 70 Jahren gab es die Währungreform in Deutschland. Die enormen Kriegsschulden wurden durch einen Schuldenschnitt von 93,5 Prozent von den Sparern getragen. Aktienbesitzer und Sachwertbesitzer kamen ohne Verluste davon.

 

Wie das Handelsblatt schreibt ist von einem Tag auf den anderen vor genau 70 Jahren der Deutsche vom Bittsteller und Bezugsmarkenkäufer zum umworbenen Kunden und D-Mark-Besitzer geworden. Eine rasante Entwicklung in Deutschland begann. Doch viele weitreichende Entscheidungen wurden damit getroffen, die zum einen Auswirkungen auf unsere heutige Bundesrepublik haben aber auch viele Lehren für Geldanleger bereit halten.

 

Ich habe 7 Punkte zusammen gestellt, die jeder über die wohl wichtigste Entscheidung zur Ordnung der Gesellschaft nach dem 2. Weltkrieg wissen sollte.

Reichsmark: Münze (gültig vor Währungsreform 1948)1.) Was war die Währungsreform eigentlich genau?

Am 20. Juni 1948 wurde die Reichsmark (und die 1:1 notierende Rentenmark) als Zahlungsmittel in den drei westlichen Besatzungszonen, also der späteren Bundesrepublik Deutschland, durch die D-Mark abgelöst.

Für 100 Reichsmark erhielt man 6,50 D-Mark. Zusätzlich gab es ein sogenanntes Kopfgeld als Geschenk des Staates. Es betrug 40 D-Mark für Haushalts-Vorstände. Einen Monat später wurde jeder natürlichen Person 20 D-Mark ausgezahlt.

 

2.) Ludwig Ehrhard zog bereits die Strippen

Im kollektiven Gedächtnis der Deutschen ist Ludwig Ehrhard der Vater des Wirschaftswunders, denn er war in den Wirtschaftswunderjahren von 1949 bis 1963 in der Regierung als Wirtschaftsminister tätig. Danach war er von 1963 bis 1966 der 2. bundesdeutsche Kanzler.

 

Doch Ehrhard war schon zuvor aktiv. Nach dem Zusammenbruch des NS-Reichs wurde klar, dass die Allierten keinen Masterplan zum Wiederaufbau der Zentralmacht in Europa hatten. So teilten im November 1947 Finanzoffiziere der “Sonderstelle Geld und Kredit” mit, dass “…die Währungsreform an die deutschen Verhältnisse angepasst werden muss…”. Diese Sonderstelle war das deutsche Währungsreformgremium mit Ihrem Leiter: Ludwig Ehrhard.

 

3.) Wieso gab es eine Währungsreform?

 

Es war letztlich die Rechnung für den 2. Weltkrieg und die durch ihn verursachten Kosten. Dabei waren ab 1942 die Warnungen Experten nicht mehr zu überhören. Im Februar 1945 teilte der damalige Finanzminister Schwerin von Krosigk seinem Reichskanzler Adolf Hitler mit, dass eine Steigerung des Notendrucks schon rein technisch kaum noch möglich wäre. Die Geldpresse war an Ihrer Kapazitätsgrenze.

 

Der 2. Weltkrieg ließ die Reichsschuld von 48 Mrd. Mark auf 450 Mrd. Mark, also das 5fache des Bruttosozialproduktes des Jahres 1943/1944, steigen. Das heutige Italien ist mit eines 1,3fachen Staatsverschuldung damit noch harmlos unterwegs.

 

Normalerweise würde bei einer solchen Schuldenexplosion auch die Inflation ansteigen, da immer mehr Geld im Kreislauf ist. Aber der Lohnstopp verhinderte das zunächst. Natürlich schwelte das Risiko im Hintergrund immer weiter und löste schließlich die Währungsunion aus.

 

4.) Gab es Alternativen zur Währungsreform 1948?

Während die Währungsreform im Rückblick als gelungen gilt gab es im Vorfeld hinter den Kulissen größte Diskussionen.

 

Die Amerikaner hatten keinen vorgefertigen Plan, bevorzugten mit dem Colm-Dodge-Goldsmith-Plan als wichtigsten Prüfstein der Neuordnung die gerechte Verteilung der durch den Krieg und seine Folgen verursachten Verluste. Sachbesitz über 1.000 D-Mark sollte mit eine Hypothek von 50 Prozent des Vermögens belastet werden.

 

Verbleibender Besitz sollte mit einer bis zu 90-prozentigen Vermögenszuwachsabgabe belegt werden. Damit wäre Deutschland revolutioniert worden. Doch die Unterstützung aus Washington war zu gering um den Vorschlag gegen den massiven Widerstand der Briten durchzusetzen. Diese wollten den Geldschnitt ohne Umverteilung von oben nach unten.

 

Für die Deutschen um Ehrhard und für die Briten war klar, dass Veränderungen an der Besitzstruktur verhindert werden sollten.

 

5.) Welche Vorlaufzeit für die Währungsreform gab es?

 

Seit 1943 wurde auf eine Währungsneuordnung hin gearbeitet. Bereits seit der Stalingrad-Niederlage am 2. Februar 1942 war den Führungskreisen, so auch Ludwig Ehrhard und seinem Bruder im Geiste, dem Vizestaatssekretär und starken Mann im Wirtschaftsministerium, Otto Ohlendorf, klar, dass nicht mehr als ein “Straffrieden á la Versailles” möglich wäre.

 

Beide – Ohlendorf als Vizestaatssekretär und Ehrhard als Leiter des kleinen Instituts für Industrieforschung, intensiv mit Problemen, die beim Übergang der Kriegs- zur Friedenswirtschaft entstehen würden. Besonders um die Währungsneuordnung ging es Ehrhard.

 

Für Ehrhard war klar, dass der Wiederaufbau “unter Führung und Initiative des Unternehmertums” erfolgen müsse.

 

Natürlich waren solche Planungen per Führer-Befehl in den Kriegsjahren verboten. Eine wirkliche Gefahr ging für Ohlendorf aber nicht aus, denn der Reichsführer der SS, Henrich Himmler, hielt seine schützende Hand über ihn. Auch Himmler war an ordnungspolitischen Gegenentwürfen interessiert.

 

Von 20. April 1948 bis 8. Juni 1948 wurden die Gesetze zur Währungsreform formuliert. Die Geldscheine im Nennwert von 5,7 Mrd. D-Mark waren zu diesem Zeitpunkt schon gedruckt.

 

6.) Was wurde aus den Köpfen der Währungsreform?

 

Die weitere Geschichte Ludwig Ehrhards ist den meinsten bekannt: Als der Dicke mit Zigarre wurde Ehrhard die Ikone des deutschen Wirtschaftswunders, Wirtschaftsminister und sogar – allerdings glückloser – Kanzler.

 

Ehrhards Kompagnon Otto Ohlendorf war zu Nazi-Zeiten Chef des Sicherheitsdienstes Inland (SI) und Leiter der berüchtigten Einsatzgruppe D und damit verantwortlich für die Ermordung von 90.000 Zivilisten. Er wurde in den Kriegsverbrecherprozessen von Nürnberg 1948 zu Tode verurteilt und 1951, trotz Gnadengesuch, hingerichtet.

 

7.) Kleine Sparer verloren fast alles, Aktien- und Sachwertbesitzer fast nichts

Die Wurzel für die oft als unausgewogen bezeichnete Vermögensverteilung in Deutschland liegt im 20. Juni 1948 begründet. Denn während Sparer fast alles verlorgen, ging der Währungsschnitt an Aktionären und Sachwertbesitzern praktisch vollkommen vorbei.

 

Wie oben erwähnt gabe es für 100 Reichsmarkt 6,50 D-Mark, also ein Verlust von 93,50 Prozent.

 

Doch die Vermögensabgabe für Aktien- und Immobilienbesitzer war rein optischer Natur und wurde nur aus Gründen der “sozialen Optik” durchgeführt.

 

Das Lastenausgleichsgesetz von 1952 sah vor, dass auf die Unternehmen und Immobilien 50 Prozent zu zahlen seien – allerdings auf 30 Jahre gestreckt und damit inflatorisch entwertet. Wie Volkswirt Reinhold Schilling errechnete erreichte diese Abgabe pro Jahr maximal 1,7 Prozent des Vermögenswertes. Das konnt gut aus dem Vermögenszuwachs der Wirtschaftswunderjahre bestritten werden.

 

 

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Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer von klimafonds.de. Gerd Junker: “Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.” Mehr zu ihm auf Xing und Facebook.

 

 



15. Juni 2018

Zusammenfassung: Not macht erfinderisch. Als im Jahr 2007 in den USA die Immobilienblase platzt, löst sie eine globale Wirtschaftskrise aus. Wohneigentum ist für immer weniger Menschen bezahlbar. Der Immobilienmarkt reagiert mit mobilen Minihäuschen. Sogenannte Tiny Houses kosten oft nicht mehr als 30.000 Euro. Gleichzeitig versprechen sie alles, was man zum Leben braucht, auf gerade einmal 20 Quadratmetern. 

 

Inhaltsverzeichnis

Klein, aber oho – Nachhaltiges Wohnen im Tiny House

Das Small House Movement

Ein Einfamilienhaus mit 20 Quadratmetern

Tiny Houses in Deutschland

Kleinhäuser als Bestandteil der Wohnraumverdichtung

Modulare Minihäuser und Wohncontainer

Warum weniger nicht immer mehr ist

Autarkes Wohnen

Was Eigentümer wissen müssen

 

Klein, aber oho – Nachhaltiges Wohnen im Tiny House

 

„Bigger ist better“ – So lautet ein zentrales Motto der amerikanischen Leitkultur. Von Kingsize Betten über All-you-can-eat-Buffets bis hin zu wolkenhohen Hochhäusern ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht gerade für seine Bescheidenheit bekannt.

Ganz anders kommt ein Immobilientrend daher, der jetzt seinen Weg aus den USA nach Europa findet: Tiny Houses sind meist mobile Minihäuser mit weniger als 20 Quadratmetern Wohnfläche. Dabei vereinen sie alles, was man zum Leben braucht, auf einer Fläche, die nicht größer als ein Zimmer ist: Wohnbereich, Küche, Bad, Schlafnische unter dem Dach.

Ihren Ursprung haben Tiny Houses im Jahr 2008, ausgelöst durch die Wirtschaftskrise. Wohneigentum ist für immer weniger Menschen bezahlbar. Um sich den Traum vom Eigenheim dennoch leisten zu können, sparen Eigentümer an Wohnfläche. Es entsteht ein wachsender Markt für Immobilien mit vergleichsweise kleiner Grundfläche zwischen 8 und 55 Quadratmetern.

Das Small House Movement

Zu dieser Zeit etabliert sich in den USA eine ganze Bewegung für Kleinhäuser. Steht zu Beginn des Small House Movements vor allem die Kostenreduktion im Vordergrund, gewinnt mit der Zeit der Nachhaltigkeitsaspekt zunehmend an Bedeutung. So entscheiden sich immer mehr Menschen aus ethischer Überzeugung für das Wohnen auf kleinem Fuß. Downsizing lautet das Stichwort, das frei übersetzt so viel heißt wie „Gesundschrumpfen“. Dabei finden Kleinhäuser auch in einkommensstärkeren Bevölkerungsschichten eine wachsende Verbreitung.

Weniger Wohnfläche bedeutet weniger Ressourcenverbrauch. Das gilt sowohl für den Bau des Hauses als auch für den laufenden Unterhalt. Umso kleiner das Haus, desto geringer der Bedarf an Heiz- und Elektroenergie, desto kleiner der ökologische Fußabdruck.

Hinzu kommt, dass es sich meist um mobile Unterkünfte handelt. Die Freiheit, sein Häuschen to Go jederzeit mitnehmen zu können, trifft einen weiteren Nerv unserer Zeit. Determinierte Lebensläufe sind heute weitaus seltener als noch vor ein paar Jahrzehnten. Immer weniger Menschen können es sich leisten, sich durch Wohneigentum dauerhaft an einen Wohnort zu binden.

Ein Einfamilienhaus mit 20 Quadratmetern

Eine genau Definition, bis zu welcher Größe ein Haus als Tiny House gilt, gibt es in Deutschland noch nicht. Anders in den USA: Hier hat der Begriff seinen Weg sogar in das Baugesetz gefunden. Demnach fallen Häuser in diese Kategorie mit einer Grundfläche von bis zu 400 Quadratfuß, also umgerechnet 37 Quadratmetern.

Hierzulande hat sich der Begriff Tiny House vor allem für Minihäuser auf Rädern durchgesetzt. Diese werden auf ein Anhängergestell aufgesetzt. Dabei ergibt sich die geringe Grundfläche allein schon durch die Gesetzesvorgaben der Sraßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO). Diese legt eine maximale Breite von 2,55 Metern und eine Höhe von 4 Metern für Anhänger fest. Die vorgeschriebenen Höchstmaße geben einen guten Eindruck von der Größe eines solchen rollenden Mikrohauses.

Trotz der geringen Grundfläche bieten Tiny Houses Schlafplätze für bis zu vier Personen. Möglich macht das eine gut durchdachte Raumaufteilung. Die Schlafplätze befinden sich bei den meisten Modellen unterhalb des Daches. Diese Schlafnischen sind über eine Treppe oder Leiter erreichbar. Das Erdgeschoss verfügt über einen separaten Raum als Bad mit Dusche. Den Rest der Wohnfläche beansprucht ein Wohnbereich mit Kochnische.

Tiny Houses in Deutschland

Die ersten Tiny Houses fallen in Deutschland und Europa auf fruchtbaren Boden. So stoßen sie hierzulande auf eine ähnlich prekäre Wohnraumsituation wie in den USA zu Beginn der Wirtschaftskrise. Gerade in den Großstädten ist bezahlbarer Wohnraum Mangelware.

Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) zeigt: Bis zum Jahr 2020 werden pro Jahr 380.000 neue Wohnungen benötigt. Der Wohnungsneubau kann dieser Nachfrage nicht standhalten. Im Jahr 2015 wurden gerade einmal 270.000 neue Wohnungen errichtet. Die Folge: Steigende Immobilienpreise – gerade in Metropolregionen. Allein in Berlin sind die Immobilienpreise von 2016 auf 2017 um 20,5 Prozent gestiegen, wie der Global Residential Cities Index des Londoner Beratungsunternehmens Knight Frank belegt.

In den Großstädten ist Wohnraum ein Luxusgut, das sich immer weniger Menschen leisten können. Dennoch ist der Traum vom Eigenheim in den Köpfen vieler Deutscher präsent. Hier bietet das Tiny House eine bezahlbare Alternative zur Eigentumswohnung. Die Kosten für ein schlüsselfertiges Kleinhaus auf Rädern beginnen bereits ab 25.000 Euro.

Gleichzeitig führt die steigende Zahl an Einpersonenhaushalten zur Verbreitung des Wohntrends Minihaus. Die wachsende Anzahl an Single- und Seniorenhaushalten gehört zur engen Zielgruppe von Häusern unterhalb der 50 Quadratmeter.

Dass die rollenden Fertighäuser im Mainstream angekommen sind, zeigt auch der jüngste Produktkatalog des Kaffeehauses Tchibo. Das bekannte Hamburger Einzelhandelsunternehmen vertreibt aktuell gleich drei verschiedene Tiny House Modelle zwischen 10 und 16,4 Quadratmetern.

Kleinhäuser als Bestandteil der Wohnraumverdichtung

Unter dem Stichwort der Wohnraumverdichtug bilden Kleinhäuser ein zentrales Element für eine zukunftsweisende Städteplanung. Bei der Nachverdichtung von Wohnraum geht es darum, urbane Freifläche besser auszunutzen. Sie stellt damit ein wichtiges Instrument im Kampf gegen den Wohnraummangel dar.

Mikrohäuser lassen sich überall dort aufstellen, wo für den Neubau konventioneller Immobilien zu wenig Platz ist. So zum Beispiel auf den zahlreichen Flachdächern in Großstädten. Prominentes Beispiel ist ein Wohnblock der Fünfzigerjahre in der französischen Stadt Champigny-sur-Marne. Auf dem Dach des besagten Gebäudes ließ der Architekt Edouard François eine kleine Wohnsiedlung aus Mini-Einfamilienhäusern errichten.

Die Wohnungsnot macht die Baubranche erfinderisch. Ein weiteres Beispiel dafür ist das Startup Cabin Spacey. Das Berliner Jungunternehmen hat einen Prototyp für eine mobile Dachwohnung entwickelt. Dabei handelt es sich um ein 8,5 mal 3,2 Meter großes, vorgefertigtes Mikrohaus. Durch Solarplatten auf dem Dach und einer Luft-Wärmepumpe, die Heizenergie aus der Umgebungsluft zieht, ist die mobile Penthouse-Wohnung nahezu vollständig autark.

Modulare Minihäuser und Wohncontainer

Weitere Unterformen von Kleinhäusern sind Modul- und Containerhäuser. Diese bestehen aus einem oder mehreren flexiblen Raummodulen, die sich stapeln oder nebeneinanderstellen lassen. Damit verabschieden sich modulare Raumsysteme von dem üblicherweise starren Grundriss. Das Haus, das mitwächst, kann durch den An- oder Abbau von weiteren Modulen vergrößert und auch wieder verkleinert werden.

Ein Anwendungsszenario ist die junge Familie, bei der Nachwuchs ins Haus steht. Die frisch gebackenen Eltern können das Kinderzimmer in Form eines zusätzlichen Raummodules realisieren. Zieht das Kind im Erwachsenenalter aus, lässt sich das Modul wieder entfernen. Somit ermöglichen modulare Systembauten eine bedarfsorientierte Ausrichtung der Wohnfläche. Für die Bewohner lassen sich so Ressourcen und Kosten sparen.

Auch bei Wohncontainern handelt es sich um Modulbauten. Namensgebend für diese Bauform ist die Verwendung ausrangierter Seecontainer als Gebäudehülle. Ein Nachhaltigkeitskonzept, das auch als Upcycling bezeichnet wird. Es beschreibt die Weiterverwertung eines Gegenstandes für einen neuen, höherwertigen Zweck – In diesem Fall die Nutzung eines nicht länger gebrauchten Frachtcontainers als Wohnimmobilie. Anwendung finden Containerhäuser dabei vor allem auch im gewerblichen Bereich als Büro- und Messecontainer.

Warum weniger nicht immer mehr ist

Weniger Wohnfläche bedeutet weniger Ressourcenverbrauch sowie weniger Bedarf an Heizenergie. Eine Gleichung, die sich zunächst einmal plausibel anhört. Dennoch kann der ökologische Nutzen von Tiny Houses durchaus diskutiert werden.

Damit die kleinen Wohnunterkünfte uneingeschränkt transportabel bleiben, sind Hersteller bestrebt, Außenwände und Decken möglichst dünn zu halten. Mit der Folge, dass an Dämmmaterial gespart wird. So kann die Isolierung vieler Tiny Houses keinesfalls mit der eines Massivhauses mithalten. Um die geringere Wärmeisolierung zu kompensieren, müssen Eigentümer mehr heizen. Langfristig entsteht demnach ein erhöhter Bedarf an Heizenergie. Ein Energieausweis ist für Besitzer eines Tiny Houses übrigens nicht erforderlich. Kleine Immobilien mit weniger als 50 Quadratmetern sind laut Energieeinsparverordnung von der Ausstellung eines Energieausweises ausgenommen.

Um ihr Kleinhaus dauerhaft ökologisch bewohnen zu können, sollten Eigentümer auf bestimmte Mindeststandards achten. Andernfalls kann sich die Nachhaltigkeit der kompakten Bauweise durch einen erhöhten Bedarf an Heizenergie über die Dauer der Wohnzeit aushebeln.

Autarkes Wohnen

Auch deshalb sind viele Tiny Houses auf ein Höchstmaß an Autarkie ausgelegt. So folgt die Beheizung häufig über ein regeneratives Heizsystem wie eine Pellet- oder Scheitholzheizung. Zur Heizungsunterstützung und Warmwasserbereitung dient eine Solarthermie auf dem Dach.

Einige Häuser verfügen sogar über ein Regenauffangbecken. Das dort gesammelte Wasser gelangt dann in den Wasserkreislauf und dient zur Bewässerung des Gartens oder für die Toilettenspülung. Doch Achtung: Die Nutzung von Regenwasser als Trinkwasser ist hierzulande grundsätzlich untersagt. Dabei sind Regenwasser- und Trinkwasserleitung deutlich voneinander zu trennen sowie farblich unterschiedlich zu markieren.

Was Eigentümer wissen müssen

Zur rasanten Verbreitung der bereiften Miniunterkünfte haben in den USA wohl auch die moderaten gesetzlichen Anforderungen geführt. So sind die Auflagen für das Bewohnen und den Transport von Tiny Houses in den Vereinigten Staaten eher lasch – Zumindest im Vergleich zu der hiesigen Gesetzeslage. Aus diesem Grund ist Eigentümern auch grundsätzlich davon abzuraten, ein Mini Home aus den USA zu importieren. Versorgungsanschlüsse und Außenmaße amerikanischer Ableger sind mit den Vorschriften der meisten europäischen Länder nicht kompatibel. Bei der Vielzahl an europäischen Anbietern, die sich über die letzten Jahre etabliert haben, dürften Käufer allerdings auch ohne Probleme auf dem heimischen Markt fündig werden.

Wie jedes Fahrzeug auch, erfordert ein Tiny House eine Straßenzulassung durch die zuständige Prüfgesellschaft TÜV oder DEKRA. Hier wird es üblicherweise als Anhänger mit Sonderaufbau geführt. Ohne eine solche Zulassung dürfen Tiny Houses auf öffentlichen Straßen nicht bewegt werden, außer es liegt eine Sondergenehmigung vor.

Auch wenn es theoretisch möglich ist: Ein Eigentümer darf sein Tiny House nicht an beliebigen Plätzen abstellen und es dort bewohnen. Sowohl eine dauerhafte als auch temporäre Nutzung erfordert eine Baugenehmigung. Dazu gehört auch das Erschließen der dafür vorgesehenen Stellfläche. So ist der Eigentümer dazu verpflichtet, die Versorgung mit Strom, Wasser und Abwasser sicherzustellen ebenso wie den Zugang der örtlichen Müllabfuhr.

Einzige Ausnahme bilden Campingplätze. Hier erfordert das Aufstellen eines Kleinhauses keine Baugenehmigung. Wer sein Tiny House als dauerhaften Erstwohnsitz auf einem Campingplatz nutzen möchte, der sollte sich vorab in der Campingverordnung seines Bundeslandes informieren. Nicht jedes Bundesland erlaubt einen Campingplatz als Erstwohnsitz.



4. Mai 2018

Zusammenfassung: Man kann es drehen und wenden, wie man will: Fossile Brennstoffe sind endlich und die Energiewende muss gelingen. Auch im eigenen Keller. Mit nachhaltigem Energiemanagement und moderner Heiztechnik kann jeder zum verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen beitragen.

 

 

Die Uhr tickt. Im Jahr 2020 soll im Rahmen der Klimaschutzziele der Bundesregierung der Ausstoß von Treibhausgasen gegenüber 1990 um mindestens 40 % sinken. Um dies zu erreichen, umfasst das „Aktionsprogramm Klimaschutz 2020“ Maßnahmen in vielen Bereichen wie z. B. in Industrie und Landwirtschaft, in der Abfallwirtschaft, im Verkehrssektor u. v. m. Bis zu 78 Millionen Tonnen Treibhausgase können so künftig eingespart werden.

 

Und natürlich geht es auch um Gebäude, genauer gesagt um deren Energieeffizienz. Insgesamt liegt das geschätzte Einsparpotenzial hier bei ca. 30 Millionen Tonnen Treibhausgase. Besonders spannend ist ein Blick in den Wärmemarkt, denn um wirklich CO2 einzusparen, muss die Energiewende auch in den Heizungskellern der Republik ankommen.

 

 



29. Dezember 2017

Seit der großen Zäsur in den Jahren 2008 und 2009 hat sich die Situation bei den Geldanlagen drastisch gedreht. Auf die damalige Immobilien- und Finanzkrise folgte ein Run auf alle Sachwerte. Egal ob Immobilien, Gold, Kunstwerke oder Oldtimer, alles hat die letzten 10 Jahre stark an Wert gewonnen.

 

Das gilt auch für die Aktien, die wahrscheinlich stärker als alle anderen Sachwerte in den letzten 10 Jahren zulegten:

 

Seit der Immobilienkrise 2009 einen Gewinn von rund 250 Prozent erzielt: Deutscher Leitindex DAX (Grafik: Comdirect)

 

Noch besser lief es bei den US-Werten, die sogar 280 Prozent zulegten. Entsprechend stellen sich viele Anleger die Frage, ob den Börsen im Jahr 2018 die Luft ausgehen wird.

 

Dazu hat das Magazin Euro in seiner Ausgabe 01 | 2018 fünf prominente Börsenexperten befragt. Die selten so einhellige Meinung: Die Rally läuft weiter. Das Potenzial an den Börsen ist noch lange nicht ausgeschöpft.

 

Natürlich stimmt es, dass der Aktienmarkt wohl im letzten Drittel seines Anstiegs angekommen ist. Das heißt, die Gewinne und die Kurse werden vielleicht nicht mehr so stark zunehmen wie zuvor. Aber nach der alten Börsenweisheit von Sir John Templeton werden Bullenmärkte im Pessimismus geboren, wachsen bei Skepsis, reifen im Optimismus und sterbern bei Euphorie. Von Aktieneuphorie ist weiterhin nichts zu spüren – wie befinden uns derzeit gerade mal in der Phase Optimismus.

 

Börsen dürften auch wegen robuster Wirtschaft weiter steigen

 

Wer sich weniger von der Psychologie – wie Sir Templeton – der Börse nähert sondern eher die harten Fakten bevorzugt, wird sich die wirtschaftliche Entwicklung ansehen. Hier sind die Aussichten so gleichmäßig positiv wie selten zuvor. Ob China, Indien, die USA, Japan Deutschland oder Spanien, Italien und Frankreich: sie alle wachsen gleichzeitig und stimulieren sich entsprechend gegenseitig.

 

Nach einem starken Weltwirtschaftswachstum von 3,6 Prozent in 2017 erwartet der Internationale Währungsfonds IWF für 2018 ein noch etwas stärkeres Wachstum von sogar 3,7 Prozent. Und auch der Ausblick auf die nächsten Jahre sieht ähnlich aus. Obwohl der Höhepunkt des Wirtschaftswachstums in den USA und Europa 2018 oder 2019 erreicht sein dürfte, ist ein kritischer Rückgang der BIP-Zuwächse nicht abzusehen.

 

Wachstum treibt die Gewinne der Unternehmen

 

Der Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Börsengewinnen ist indirekt. Das Wirtschaftswachstum treibt üblicherweise die Gewinne der Unternehmen nach oben. Damit können die Unternehmen höhere Dividenden zahlen oder ihr Eigenkapital stärken.

 

Höhere Dividenden kommen direkt in den Taschen der Aktionäre an. Höheres Eigenkapital erhöht den Wert eines Unternehmens; in der Folge steigen die Aktienkurse für dieses Unternehmen. Auch das freut den Anleger.

 

Zusammen mit den fehlenden Alternativen zur Aktienanlage – zum Beispiel liegen die Zinsen für einen Kredit an die Bundesrepublik Deutschland über 5  Jahre nur bei minus 0,3 Prozent jährlich – bleiben die Aussichten für Aktien also auch im neuen Jahr 2018 sehr attraktiv.

 

Trotzdem wachsam bleiben

 

Prognosen sind jedoch schwierig – besonders, wenn sie die Zukunft betreffen! Auch wenn die Vorzeichen auf grün stehen, können jederzeit neue Situationen die Lage auf den Kopf stellen.

 

So stehen Parlamentswahlen im Frühjahr in Italien an – die Stabilität Europas könnte in Gefahr geraten. Der Brexit kommt in die entscheidende Phase; nach den Fortschritten in den letzten Wochen des Jahre 2017 werden in 2018 erste harte Entscheidungen zu treffen sein.

 

Neben der Politik bleiben die Notenbanken zu beachten. Die US Notenbank FED ist schon mitten im Zyklus der Zinserhöhungen. Sie geht sehr behutsam vor und wäre im Falle wirtschaftlicher Probleme sicherlich zu sofortigen Maßnahmen bereit. Trotzdem sind steigende Zinsen grundsätzlich schlecht für Aktienmärkte, denn wer Zinsen risikolos bekommt geht seltener an die risikobehaftete Börse. Das wird sich bemerkbar machen.

 

Die Europäische Zentralbank EZB hingegen ist gerade erst dabei, ihr Anleihkaufprogramm zu halbieren – von 60 Milliarden Anleihekäufen monatlich auf dann nur noch 30 Milliarden Euro. Das lässt sich sogar in Japan erkennen, denn die dortige Notenbank Bank of Japan hat ein geringeres Tempo beim Anwachsen ihrer Bilanz erkennen lassen.

 

Diese Maßnahmen der Notenbank entziehen den Kapitalmärkten Geld. Entsprechend können die Märkte nicht mehr so schnell steigen.

 

Die Inflationsrate ist wichtig

 

Wichtigster Meßpunkt für die Notenbanken ist die Inflationsrate. Alle Notenbanken streben mehr oder weniger ein Ziel von um die 2 Prozent Inflation (Geldentwertung) jährlich an. Bisher haben jedoch ganzen Maßnahmen nur bedingt zum Anstieg der Inflationsrate geführt.

 

Es wird spekuliert, dass dies daran liegt, dass technische Innovationen und die Digitalisierung in vielen Sektren Lohnsteigerungen ausbremsen. Dazu kommt, dass Rohstoffe wie Öl oder Holz weiterhin relativ billig sind.

 

Würde sich das aber ändern und die Inflationsraten sprunghaft zulegen, wären auch die Notenbanken zu einem entschlossenen Handeln gezwungen. Zuletzt legte die Inflationsrate vor rund einem Jahr deutlich zu:

 

Sprunghafter Anstieg der Inflationsrate im November 2016 (Grafik: EZB)

 

 

Das von Nobelpreisträger Robert Shiller entwickelte Shiller-KGV, das den Wert eines Unternehmens in Verhältnis zu seinen Gewinnen der vergangenen zehn Jahren setzt, liegt bei US-Aktien bei rund 30. Nur zwei Mal war das Shiller-KGV in den USA bisher höher: vor dem Platzen der Internetblase 2000 und vor der Großen Depression 1929.

 

Wie sollten Anleger in dieser Börsenphase reagieren?

 

Wer sich die Argumente von oben ansieht, könnte ins Zweifeln kommen und einfach gar nicht investieren. Aber Achtung: wer sich zu früh von den Börsen verabschiedet verpasst möglicherweise die schönsten Jahre mit den kräftigsten Zuwachsraten.

 

Im Schnitt bietet das letzte Drittel eines Bullenmarktes 37 Prozent der gesamten Rendite. Große Börsenjahre wie 1997 (plus 31%), 1998 (26,7%), 1989 (27,3%) und 1980 (25,78%) könnten dem Anleger verloren gehen, wenn er jetzt nicht mehr auf Aktien setzt.

 

Entsprechend sollte der Anleger seinen Asset-Allokation überprüfen. Sie macht rund 2/3 des Erfolg an den Börsen aus. Neben Cash (Liquidität) gibt es klassischerweise Anleihen und Aktien.

 

Abhängig davon, wie lange man noch investieren möchte, sollte man die Asset-Allokation wählen. Wer viel Zeit, also 8 oder mehr Jahre hat, sollte eine hohe Aktienquote wählen – vielleicht 70 Prozent. Wer nur rund 5 Jahre Zeit hat, der dürfte mit ca. 50 Prozent Aktienquote richtig liegen.

 

Wie sieht es mit anderen Anlageformen in 2018 aus?

 

In aller Munde dürften auch 2018 die Immobilien bleiben. Schließlich sind die Zinsen niedrig, was eine Baufinanzierung erleichtert.

 

Immobilien gibt es in unterschiedlichsten Varianten.

Leider wurden die Vorteile durch niedrige Zinsen durch stark gestiegene Grundstückspreise und stark gestiegene Handwerker-Kosten mehr als ausgeglichen. Mit klassischen Wohngebäuden dürfte also kaum Geld zu verdienen sein. Spezial-Gebiet wie Gewerbeimmobilien oder Logistikgebäude können lukrativer sein; allerdings fehlt den meisten privaten Anlegern das Know-How und das Eigenkapital, um dort dabei sein zu können.

 

Bleiben Immobilienfonds oder REIT’s, also Aktiengesellschaften die in Immobilien investieren. Sie können als passive, risikoarme Beimischung interessant sein. Aus ethisch-ökologischer Sicht sind sie als neutral zu bewerten, d.h. sie erzielen keinen positiven Nachhaltigkeitsaspekt, aber sind vertretbar.

 

Bei Rohstoffen ist das Bild unklar. Die Anstrengungen zu Fördermengenreduzierung der OPEC waren teilweise erfolgreich, so dass der Ölpreis leicht steigen konnte. Steigt er jedoch stärker, dürfte sich auch das Fracking wieder verstärkt rentieren, womit der Ölpreis wieder schwächer wird.

 

Der Ölpreis befindet sich seit Juni 2017 in einem Aufwärtstrend, der jedoch durch Fracking bei einem Wert zwischen 70 und 80 Dollar gebrochen werden sollte. Grundsätzlich ist Öl für den nachhaltigen Investor nur eine Information zu den Energiepreisen: eine Investition verbietet sind, bedenkt man die enormen Risiken bei der Gewinnung von Öl oder die negativen Effekte für das Klima beim Verbrauch fossiler Energien.

 

Und noch ein Wort zum Bitcoin: Der interessante Ansatz mit dem nicht unbegrenzt vermehrbaren Bitcoin und der intelligenten Vorgehensweise mit der Blockchain ist keine wirkliche Währung. Das Bezahlen damit ist nur selten möglich und dauert teilweise Stunden. Der Bitcoin ist ein reines Spekulationsobjekt, ähnlich der Tulpenzwiebeln bei der Tulpenblase in den Niederlanden 1636 – 1637. Der Bitcoin ist also keine Geldanlage, eher der Besuch eines Casinos.

 

 

 

 

 

 

 

 

Gerd SW300x300 Gerd Junker, Klimafonds-Experte: Die Welt ist extrem komplex. Sinnvolle Geldanlagen können jedoch einfach sein. Bei Klimafonds finden wir die passende Lösung für Eure Bedürfnisse. Mehr Klimafonds findet Ihr auf Facebook, Google+ und Twitter.


19. Dezember 2017

[schema type=”review” description=”Zusammenfassung: Obwohl die jährliche Geldentwertung höher als die Bankzinsen ist und damit Jahr für Jahr das Geld auf der Bank Wert verliert, sind viele Deutsche noch nicht an den Kapitalmärkten tätig. Wir haben 10 Gründe gesammelt, weshalb jeder an die Kapitalmärkte gehen sollte. Natürlich nachhaltig!” ]

 

Die Deutschen sind sparsame Menschen. Immerhin 2,2 Billionen Euro liegen auf der Bank, also 27.500 Euro pro Bundesbürger – Greise und Babies mit eingerechnet!

 

Doch obwohl seit vielen Jahren die Zinsen extrem niedrig, meist auf Null oder gar negativ sind, bleiben die Deutschen bei Ihrem Sparbuch, Girokonto oder Sparbrief. Dabei wissen viele, dass die jährlich Geldentwertung in Form von Preissteigerungen höher liegt. Aktuell (Okt. 2017) liegt die Inflation bei 1,6 Prozent, bei 0 Prozent Zinsen hat der Sparer also jedes Jahr 1,6 Prozent weniger auf seinem Konto.

 

Wird der Zinseszins berücksichtigt, werden bei einer jährlichen Geldentwertung von 1,6 Prozent aus zum Beispiel 10.000 Euro nach 10 Jahren nur noch 8.532,24 Euro.

 

 

Trotzdem scheuen viele Deutsche weiterhin die Kapitalmärkte. Zu komplex, zu viele Risiken, zu zeitaufwendig. Nur 7,1 Prozent der Deutschen halten selbst direkt Aktien, nur 6,7 Prozent halten Aktien über Investmentfonds (Quelle: Wikipedia, Jahr 2013).

 

Darüber hinaus bieten die Kapitalmärkte noch viel mehr, Kapitalmarkt heißt nicht automatisch Aktien. Ein größerer Markt ist der Anleihemarkt mit 149 Billionen USD im Vergleich zum Aktienmarkt mit 69 Billionen USD (Werte von 2014).

 

Was spricht dafür, gerade jetzt in die Kapitalmärkte zu investieren?

 

1.) Niedrigzinsumfeld

 

Lassen Sie uns einen Blick auf den für uns wichtigsten Zins werfen, den Leitzins der Europäischen Zentralbank EZB. An ihm orientieren sich praktisch alle anderen Zinsen, auch der Zins für Spareinlagen in Deutschland.

 

Zinsentwicklung am Beispiel des Leitzinses in Deutschland (Diagramm https://www.fmh.de/)

 

Wie zu sehen sind wir akutell bei einem Leitzins von Null, eine nie zuvor dagewesene Bestrafung für die Anlage von Kapital. Warum wird das gemacht? Da der Zins der Preis des Geldes ist, wird mit Null-Zins das Geld billig.

 

Das bedeutet, man muss für seinen Kredit nur noch ganz wenig zahlen. Das wiederum freut die Unternehmen, denn mit mehr Krediten können sie mehr investieren, neue Produktionsstätten errichten, neue Märkte erobern und für eine florierende Wirtschaft sorgen.

 

Die Folge: die Aktien steigen. Seit Ende der Finanzkrise ist das lehrbuchartig geschehen. Seit Ende der Weltfinanzkrise im Jahr 2009 hat sich der Stand des Aktienbarometers DAX auf das 2,5 fache zugelegt. Wer damals 10.000 Euro investierte, freut sich heute über 25.000 Euro. Keine andere sichere Geldanlage konnte solch eine Steigerung aufweisen wie die Aktie.

 

2. Beteiligungen an Unternehmen lohnen sich

 

Auch wenn das so mancher anders sieht – die Beteiligung an Unternehmen über Aktien oder Anleihen ist nicht kompliziert sondern sehr einfach.

 

Der Aktionär erhält ein Stück eines Unternehmens. Geht es dem Unternehmen gut und macht es Gewinne, bekommt der Aktionär als Eigentümer diese Gewinne. Entweder in Form von Dividenden, oder in Form steigernder Kurse. Meist erfreut er sich über beides. Zum Beispiel schütteten die Unternehmen des DAX alleine in 2017 über 30 Milliarden Euro an ihre Aktionäre aus.

 

Wer eine Anleihe hält, hat einem Unternehmen Geld geliehen. Will zum Beispiel Windkraft-Anbieter Vestas eine neue Produktionsstraße bauen, begibt das Unternehmen Anleihen und leiht sich Geld von Anlegern. Dafür zahlt es Zinsen und am Ende der Laufzeit den Nennwert wieder zurück. Recht  einfach, oder?

 

3. Börsen werden immer schwanken: kein Grund zur Panik

 

Das ist für die meisten das größte Problem – die Börsen schwanken. Ähnlich wie bei anderen Sachwerten auch – nur bei Aktien und Anleihen werden die Schwankungen sichtbar. Dass Sie beim Verkauf für Ihr Haus heute einen anderen Wert erzielen würden als in 2 Jahren oder vor 3 Jahren, ist zwar klar, aber man macht sich das nicht bewusst.

 

Anders bei den Kapitalmärkten, wo die schwankenden Preise sehr deutlich und für jeden ablesbar sind. Eigentlich ein Vorteil, doch viele Anleger können damit nicht umgehen.

 

Man muss sich deshalb immer wieder selbst daran erinnern, dass es langfristig nach oben geht. Zwischen 1980 und 2016 haben die europäischen Aktien beispielsweise nur in 8 Jahren mit einem Minus abgeschlossen, in 78 Prozent der Jahre haben die Anleger also ein Plus erzielt.

 

Geduld zahlt sich aus; ganz besonders an den Börsen.

 

4. Wer gut streut rutscht nicht aus

 

Das ist die wichtigste Börsenregel und diese müssen Sie zwingend beachten: Wer gut streut, rutscht nicht aus. Es muss jedem klar sein, dass einzelne Titel und einzelne Wertpapiere Risiken in sich tragen.

 

Die oben genannte Anleihe von Vestas, dem Windrad-Hersteller, würde beispielsweise wertlos werden, wenn das Unternehmen Vestas zahlungsunfähig würde. Das ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.

 

Deshalb: Das Geld immer breit streuen um Risiken zu meiden. Das gilt über Anlageklasse wie über Regionen und Industrien. Im Zweifel ist ein Mischfonds für einen Anleger besser geeignet als ein reiner Aktienfonds oder ETF.

 

5.) Die Zeit arbeitet für den Anleger

 

Neben der wichtigsten Regel der Streuung ist es fast genauso wichtig, ausreichend Zeit mitzubringen. Die Zeit arbeitet für den Anleger; je mehr Zeit er hat, umso besser für ihn.

 

Gut erkennbar ist das am sogenannten Rendite-Dreieck für den DAX, in dem die jährlichen Renditen aufgeführt sind (gilt nur für Aktien – bei Anleihen ist eine andere Situation, dort sind kurzfristigere Anlagen möglich):

 

Die weißen Linien zeigen Jahre mit gleicher Anlagedauer. Je länger die Anlagedauer, um so konstantere Ergebnisse (Original zum Download)

 

Im Rendite-Dreieck sind Anlagedauern in Jahren dargestellt. Rote Kästchen sind Anlagezeiträume mit negativer Wertentwicklung, weiße mit neutraler Wertentwicklung und grüne mit positiver Wertentwicklung. Das Dreieck zeigt: je länger man dabei ist, umso wahrscheinlicher wird das Gesamtplus. Ab 3 bis 4 Jahren ist man fast immer im Plus, ab ca. 10 Jahren ist man praktisch immer deutlich im Plus.

 

6.) Einfach dabei bleiben: schont Nerven und Geldbeutel

Timing ist immer schwierig – aber besonders bei den Kapitalmärkten. Wer sich nicht täglich mit Ihnen beschäftigt wird es kaum schaffen, die optimalen Einstiegs- oder Ausstiegszeiträume zu treffen.

 

Aber nicht mal das: meist werden Einstieg oder Ausstieg rein aus dem Bauch-Gefühl heraus getroffen ohne eine bewusst gewählt, zumindest in der Vergangenheit erfolgreiche Strategie anzuwenden.

 

Deshalb gilt für Privatanleger: versuchen Sie sich nicht daran, gute Einstiegs- oder Ausstiegszeitpunkte zu finden. Versuchen Sie nicht, aus den Märkten zu gehen, weil Sie das Gefühl haben das jetzt tun zu müssen. Vermeiden Sie diese Fehler unbedingt und sparen Sie sich damit viel Geld.

 

7.) Frühzeitig anlegen und den Zinses-Zins-Effekt genießen

Wir Menschen haben ein unheimlich gut entwickeltes Gehirn. Kapazität, Geschwindigkeit und Lernfähigkeit sind unerreicht.

 

Allerdings kann unser Gehirn nicht alle Disziplinen gleich gut. So war die Expotenzial-Rechnung sicherlich keine wichtige Sache bei der Entwicklung des Menschen, denn hier versagen wir vollkommen.

 

Lassen Sie uns ein Beispiel ansehen: Sagen wir, Sie legen jeden Monat 100 Euro an. Sie machen das für 20 Jahre. Ohne Betrachtung von Steuern würden bei 6 Prozent Wertentwicklung dabei herauskommen:

 

 

100 Euro monatlich über 20 Jahre ansparen (Alle Berechnungen ohne Gewähr, 6% Wertentwicklung netto)

 

 

Jetzt verdoppeln wir einfach den Anlagezeitraum von 20 Jahren auf 40 Jahre. Aus den oben angesparten ca. 45.000 Euro müssten also ca. 90.000 Euro herauskommen, oder? In Wirklichkeit sind es aber:

 

 

Statt 20 Jahren nun 40 Jahre Anlagedauer: das Ergebnis vervierfacht sich.

 

Doppelte Anspardauer bedeutet in diesem Fall also mehr als das vierfache Ergebnis. Fangen Sie also so früh wie nur möglich an und bauen Sie sich nebenbei ein kleines Vermögen auf.

 

8.) Die Lebenserwartung ist höher als Sie denken

 

Wir erleben es im Beratungsalltag immer wieder: die meisten Menschen schätzen ihre Lebenserwartung vollkommen falsch ein; meist viel zu niedrig.

 

Dabei gilt als Faustregel: Sie werden ungefähr 15 Jahre älter als Ihre Großeltern. Sind die also mit 75 Jahren verstorben, werden Sie (statistisch gesehen) also 90 Jahre alt werden.

 

Wer es genauer wissen will, dem sei der recht umfangreiche Online-Rechner von Focus-Online empfohlen, um Ihre individuelle Lebenserwartung zu errechnen.

 

Von einem Paar wird schon heute in 9 von 10 Fällen mindestens einer der Partner über 80 Jahre alt.

 

Entsprechend brauchen Sie vielleicht mehr Geld als gedacht. Dafür haben Sie aber auch noch eine längere Anlagezeit als vielleicht gedacht, so dass Sie die Chancen des Kapitalmarktes nutzen können und sollten.

 

9.) Es spricht viel für Investmentfonds

 

Wer die Chancen des Kapitalmarktes nutzen möchte kauft sich also vielleicht Aktien oder Anleihen. Die Gebühren sind niedrig und die Transaktion gleich durchgeführt.

 

Doch für den Anleger ist das ein aufwendiger Weg. Denn zunächst muss er analysieren, analysieren und analysieren. Er sollte Dutzende von Unternehmen und Staaten intensiv prüfen, Geschäftsberichte und Analysen sowie Berichte lesen und dann ein ausgewogene Portfolio aus vielleicht 10 Wertpapieren zusammen stellen.

 

Dann muss er diese 10 Wert kontinuierlich beobachten, denn jederzeit kann etwas passieren. Unwetter zum Beispiel lassen den Kurs von Rückversicherungsgesellschaften einbrechen; ein Abgas-Skandal den von den größten Automobilherstellern und wer an Erneuerbare Energien glaubt, sollte die staatlichen Förderungen im Auge behalten: die deutsche Solarindustrie ist daran zerbrochen.

 

Schnell ist klar: das ist von einem einzelnen Anleger kaum wirtschaftlich zu realisieren. Deshalb wurden von rund 60 Jahren die Investmentfonds eingeführt. Die Arbeit der Analyse wird von einem Fondsmanger und dessen Team übernommen und die Kosten dafür dann auch Tausende Anleger – nämlich die Besitzer des Investmentfonds – verteilt. In der Folge kann sich auch der Kleinanleger, meist schon ab 500 Euro, an professionell geführten Wertpapieranlagen beteiligen.

 

Geschieht das auf dem Weg eines ETF, also eines passiven Investmentfonds, der an der Börse gehandelt wird, schließt man auch Minderleistungen von Fondsmanagern aus. Denn der ETF liegt mit seiner Performance meist oberhalb der Mitte aller Investmentfonds.

 

10.) Auch die “Zinsen” der Wertpapiere beachten

 

Viele Anleger sehen nur die Kursentwicklung der Märkte an. Und selbst in der Darstellung des Depots in den gängigen Bank-Systemen werden die Gewinne meist  nur auf Basis der Kurs-Gewinne / -verluste angezeigt.

 

Doch damit werden die “Zinsen” der Wertpapiere schlichtweg vergessen. Ein großer Fehler.

 

Bei Aktien sind das die Dividenden. Die Hauptversammlung eines Unternehmens beschließt nämlich, was mit dem Gewinn des abgelaufenen Geschäftsjahres gemacht werden soll. Meist werden 1/3 bis 1/2 des Gewinnes in Form von Dividenen ausgeschüttet. Das ist im einzelnen Jahr vielleicht nicht viel, über die Zeit aber eine entscheidende Komponente.

 

Wir haben hier die Entwicklung des Deutschen Kursbarometers DAX mit und ohne Dividende dargestellt:

 

Gelb: DAX-Entwicklung ohne Dividenden. Blau: DAX-Entwicklung mit Dividenden (Quelle: comdirect)

 

Während der Kursdax in rund 18 Jahren auf ca. 45 Prozent Gewinn kommt, zeigt der Performance-DAX die Wahrheit an: ca. 140 Prozent Gewinn. Der einzige Unterschied sind die Dividenden, bildlich gesprochen die Zinsen der Aktien.

 

Wann fangen Sie an der schleichenden Geldentwertung ein Schnippchen zu schlagen? Es ist einfacher als Sie denken.

 

 

 

 

 

 

 Gerd SW300x300 Gerd Junker, Klimafonds-Experte: Die Welt ist extrem komplex. Sinnvolle Geldanlagen können jedoch einfach sein. Bei Klimafonds finden wir die passende Lösung für Eure Bedürfnisse. Mehr Klimafonds findet Ihr auf Facebook, Google+ und  Twitter.