2018 Juni

Sonderkonditionen, Aktionen und wertvolle Tipps zur Optimierung Ihrer nachhaltigen Geldanlage

29. Juni 2018

Vor kurzem las einer unserer klimafonds.de Mandanten in einem Newsletter-Mail eines Finanzportals, dass man besser nicht in ETFs sondern eher in Einzelaktien investieren soll. Begründet wurde es damit, dass man mit einem Fonds unweigerlich in sehr viele Nieten investiert. Grundsätzlich ist dies nicht ganz von der Hand zu weisen, doch ganz so einfach ist es dann auch wieder nicht.

 

Eine Studie des Hedge Fonds Blackstar Funds fand auf Basis von 8.054 an allen drei Hauptbörsen in den USA (NYSE, AMEX und NASDAQ inclusive degelistete Aktien) gehandelten Aktien zwischen den Jahren 1983 bis 2006 heraus, dass:

 

  •  39 Prozent der Aktien eine negative Rendite brachten;
  •  rund eine von fünf Aktien sogar mindestens 75 Prozent ihres Wertes verlor;
  •  der Mittelwert der 8.054 Renditen -1,06 Prozent betrug.”

 

Nur wenige Aktien sind absolute “Gewinneraktien” (Quelle: Blackstar)

 

 

Wenn man nur diesen Teil der Studie erwähnt, so klingt es absolut schlüssig besser nicht in Fonds oder den Gesamtmarkt zu investieren sondern sich als Anleger ganz gezielt Gedanken zu machen, welchen Aktientitel man am Besten kaufen sollte. Immer dann wenn nur ein Teil  aus Studien veröffentlicht wird, verzerrt es allerdings das wahre Bild.  Was die  Blackstar-Studie auch auflegt wurde nicht erwähnt:

Wahr ist nämlich auch, dass im Zeitraum zwischen 1983 und Ende 2006

  • 61 Prozent aller untersuchten Aktien eine positive Rendite erzielten;
  • rund eine von fünf Aktien um 300 Prozent oder mehr im Wert gestiegen ist;
  • die durchschnittliche Bruttorendite des US-amerikanischen Aktienmarkts (gemessen am MSCI USA) bei 12,8 Prozent pro Jahr lag (inklusive Dividenden).

Anhand des arithmetisch ermittelten Durchschnittsrendite vorzugauckeln, dass sich eine breit gestreute Aktienanlage in den Gesamtmarkt nicht lohnt ist schon eine sehr grenzwertige Information. Vielmehr ist genau das Gegenteil der Fall, denn die Studie zeigt ganz klar, dass es völlig irrelevant ist wenn auch “Nieten” oder “Underperformer” in der Anlage vertreten sind. Das Verlustrisiko einer Aktie, die sich wirklich sehr negativ entwickelt liegt bei 100 Prozent. Der Performance von Gewinneraktien ist hingegen keine Grenze gesetzt. Wichtig ist für die langfristige Wertentwicklung des Depots nicht das eine Viertel “Gewinneraktien” zu versäumen und überhaupt in die richtigen Anlageklassen zu investieren.

Doch schafft man es als Laie mit einer Einzeltitelauswahl wirklich nur in die Gewinneraktien zu investieren? Die Antwort lautet klar nein, denn nicht einmal Profis gelingt dies immer und zu jeder Zeit. Und so bleibt schlussendlich auch aus Kosten- und Zeitgründen nur die Anlage in den Gesamtmarkt und die großen Aktien-Indizies. Natürlich nachhaltig, denn schließlich soll Geld eine positive Wirkung entfalten. Mit klimafonds.de kann ganz einfach in nachhaltige ETFs investiert werden und das kostengünstig.

 

 

Carmen Junker ist Gründerin  und Geschäftsführerin der Grünes Geld GmbH. Carmen Junker: “Ein Grund mein berufliches Wirken speziell auf die Nachhaltige Geldanlage auszurichten ist, die Welt ein Stück positiver zu gestalten mit den Mitteln und Kenntnissen die mir zur Verfügung stehen.”

 



27. Juni 2018

Zusammenfassung: Eine im Handelsblatt zitierte Umfrage von YouGov im Auftrag der AXA Versicherungen zeigt, dass die berechtigte Sorge der Deutschen vor Altersarmut steigt. Nur mit der Anlage in renditeträchtige Anlageformen kann der Arbeitnehmer für einen austräglichen Ruhestand sorgen.

 

Altersarmut in Deutschland

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Neue Rentenkomission
Konkrete Lösungen
Vergleich verschiedener Lösungen

 

 

Die vollkommen zu recht geführte Diskussion über die finanzielle Versorgung der Deutschen im Alter zeigt Wirkung: nach einer AXA Umfrage, über die das Handelsblatt in seiner Ausgabe vom 26. Juni 2018 berichtet, sehen 4 von 10 befragten Berufstätigen dem Ruhestand mit Sorgen entgegen – bei einer Umfrage von vor 2 Jahren waren es erst 2/3.

 

Wie Patrick Dahmen, Vorstand bei der Versicherungsgesellschaft AXA ausführt, ist “die Rente das wichtigste Theme für die Deutschen”. Immerhin 70 Prozent fordern vom Staat, sich um höhere Renten zu kümmern. Die Ergebnisse gelten dabei quer durch alle befragten Altersklassen und Einkommensgruppen.

 

Erst danach folgen Punkte wie eine bessere Gesundheitsversorgung, bessere Schulen oder mehr Wohnungen.

 

“Die breit diskutierte Angst vor Altersarmut schreckt die Menschen auf”, so Dahmen weiter. Die Menschen haben recht, denn das aktuelle Rentenniveau ist auf Dauer nicht haltbar. Doch da viele mit den privaten Alternativen wie Riesterrenten oder Lebensversicherungen, nicht zu letzt wegen dem anhaltenden Niedrigzinsniveau, schlechte Erfahrungen gesammelt haben, halten Sie viel Geld auf unverzinsten Konten und fordern den Staat zu Handlungen auf.

 

Die große Koalition hat darauf bereits reagiert. Laut Koalitionsvertrag soll bis 2025 das Rentenniveau nicht weiter sinken. Das Nettorentenniveau ist bereits seit 2001 von 53 auf 48 Prozent geschrumpft. Gleichzeitig soll der Rentenbeitrag der Arbeitnehmer nicht über 20 Prozent steigen.

 

Bleibt die Konjunktur und damit die Beschäftigung in Takt, ist das bis 2024 wohl ohne Steuerzuschüsse gut möglich.

 

Bitter wird allerdings die Zeit nach 2025, wenn die Baby-Boomer-Jahrgänge das Erwerbstätigenalter verlassen und sprunghaft die Anzahl der Rentner ansteigen lassen werden. Das weiß auch die große Koalition, deshalb die 2025-Grenze im Koaltionsvertrag.

 

Sie hat deshalb eine neue Rentenkomission eingesetzt, die bis März 2020 Vorschläge erarbeiten soll. Sie muss allerdings mit Rahmenbedingungen auskommen, die nur wenig Spielraum lassen. So sollen die abschlagsfreie Rente ab 63 noch die Koaltionsvertragsvereinbarungen in Frage stellen. Dazu Professor Raffelhüschen von der Uni Freiburg: “Die Rentenkomission ist ein Feigenblatt für die beschämenden rentenpolitischen Fehler der Vergangenheit und die Vorabbeschlüsse der neuen Koalition.”

 

Konkrete Lösungen gegen die Altersarmut

 

Es gibt mehrere Komponenten aus denen sich das Einkommen im Ruhestand zusammen setzt. Meist ist die gesetzliche Rente die Basis. Wie die Diskussionen von oben zeigen, dürfte deren Niveau in Zukunft auf ca. 40 bis 43 Prozent des letzten Nettoeinkomens absinken.

 

Weitere Komponenten können die Betriebsrente, die Basisrente, die Riester-Rente oder eine private Rente sein. Allesamt sind recht komplizierte und staatlich geregelte Formen, die nach individueller Beratung für einzelne Anleger passen können. Gegen geringe Entgelte können Sie sich Ihre individuelle Situation von uns persönlich beleuchten lassen: Beratungsmodule.

 

Der einfachste Weg ist sicher die breit gestreute Anlage in Aktien-ETF’s, je nach zur Verfügung stehender Zeit bis zum Rentenbeginn mit einer Beimischung von Anleihen-ETF’s.

 

Lassen Sie uns die verschiedenen Ansparmöglichkeiten vergleichen:

 

Sparbuch Klassische Lebensversicherung Ausgewogenes Portfolio Aktien-Portfolio
Langfristiger Zins / Rendite (Prognose) 1% 2,50% 4% 6%
Anlagebetrag pro Monat 100 100 100 100
Anlagezeit 37 Jahre 37 Jahre 37 Jahre 37 Jahre
Besteuerung Abgeltungssteuer Halbeinkünfteverfahren Abgeltungssteuer Abgeltungssteuer
Kapitalauszahlung ja ja ja ja
Lebenslange Rentenzahlung nur nach Einzahlung in Rentenvertrag ja nur nach Einzahlung in Rentenvertrag nur nach Einzahlung in Rentenvertrag
Endkapital (vor Steuern) 53.698,48 € 72.651,41 € 100.166,95 € 157.685,20 €
Ethisch-ökologisches Angebot
Ethikbank, GLS Bank, Triodos, Umweltbank, etc. Oeco Capital, Stuttgarter

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Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer von klimafonds.de. Gerd Junker: “Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.” Mehr zu ihm auf Xing und Facebook.

 

 



22. Juni 2018

 

Der Klimawandel sei eine Erfindung der Chinesen twitterte der US Präsident Trump vor einiger Zeit.

 

Dabei hat sich die Annahme, dass wir uns in einer Warmphase der globalen klimatischen Verhältnisse befinden längst durchgesetzt. Dass der Mensch seinen Anteil daran hat wird inzwischen ebenfalls kaum noch bestritten. Klimaschutz sollte eine Verpflichtung für alle Verbraucher und Produzenten sein.

 

Low Carbon Investments

Ein großer Hebel zur Veränderung ist Geld. Es kann eine bedeutende Rolle spielen um die Schäden zu beheben, die der industrielle Fortschritt mit sich gebracht hat. Wer heute verantwortungsvoll mit seinem Geld umgeht,  sollte darauf achten, dass die ausgewählten Geldanlagen auch einen Beitrag zur Dekarbonisierung leisten. Denn nicht nur als Verbraucher kann jeder seinen Anteil zum Klimaschutz leisten, auch Anleger und Investoren erkennen zunehmend ihre Verantwortung klimafreundlich zu investieren.

 

Das Problem: Auch das Angebot an klimafreundlichen Geldanlagen ist unübersichtlich. Welche Anlage tatsächlich klimafreundlich investiert, ist je nach Anspruch an den Klimaschutz nicht leicht herauszufinden. Kostenbewusste Anleger stellen sich die Frage was die in Mode gekommenen ETF’s im Bereich Klimaschutz leisten.

 

Zur Erläuterung: Exchange Traded Funds (kurz ETF)– bilden einen Index wie beispielsweise den Dax eins zu eins nach. Die Zusammensetzung des Index-Fonds ändert sich nur dann, wenn sich die Zusammensetzung des zugrunde liegenden Index verändert. In den Fonds gelangen nur Aktien die im Index geführt werden und in der gleichen Gewichtung wie sie im Index vorhanden sind. Deshalb spricht man von einem passiven Investment. ETFs können laufend über die Börse gehandelt werden. Ihre Verwaltungsgebühren sind sehr gering, Ausgabeaufschläge wie bei „aktiv“ gemanagten Fonds entfallen, dies machte sie zu Lieblingen bei den kostenbewussten Anlegern.

 

Für einen Index Fonds, bedarf es eines Index. Welche Indizies gibt es nun für den Bereich Klimaschutz Investments. Für das CO2 arme Investment gibt es inzwischen einige Indizies. Im Vergleich zu Klimaindices, die meist nur auf bestimmte Bereiche wie Erneuerbare Energien, Energieeffizienz oder spezielle Umwelttechnologien setzen, sind die Werte in den Low Carbon Indices branchenübergreifen aufgestellt. Die ersten Indizes die auf den Markt kamen, schlossen aus den Portfolien einfach energieintensive Branchen wie Bergbau und Zementherstellung aus und brüsten sich stolz eines niedrigen CO2-Abdrucks. Dies ist jedoch nicht ganz realistisch, denn infolge langer Wertschöpfungsketten sind auch Produkte energieintensiv, denen man es nicht sofort ansieht. So haben Banken und Versicherer nur bedingt einen geringen CO2 Ausstoß, denn Sie finanzieren Kohleabbau und Stahlproduktion.

 

Außerdem energieintensive Branchen komplett auszuschließen ist nicht sinnvoll, da es nicht zu einem Wettbewerb um mehr Effizienz kommt. Kein Anleger ist investiert, der den Finger in die Wunde legt und auf CO2 Einsparungen pocht. Glücklicherweise gibt es verschiedene Ansätze, so dass für jeden etwas dabei ist.

 

  • ECPI Global Carbon Equity

 

Anfang 2010 vom nachhaltigen Indexanbieter ECPI aus Mailand und der Managementberatung Arthur D. Little aufgelegt, enthält er 40 große und mittlere Titel aus energieintensiven Branchen.  Elektrizität, Energien, andere Versorger, Rohstoffe, Technologie, Gesundheit und Industrie samt Verbraucherprodukten sind gängige Branchen.  Ziel ist, Investoren solche Unternehmen dieser Branchen zu bieten, die am besten aufgestellt sind, um im Klimawandel und bei strengerer Gesetzgebung zu bestehen.

 

Die Indexmanager wählen auf Basis öffentlicher Informationen Unternehmen mit relativ geringen klimaschädlichen Emissionen. Darüber hinaus bewerten sie die Unternehmen anhand von rund hundert Umwelt-, Sozial- und Governance-Informationen. Die Marktkapitalisierung jedes Titels muss mindestens eine Milliarde Euro haben. Die Zusammenstellung wird alle sechs Monate geprüft.

 

  • Low Carbon 100 Europe Index

Euronext startete 2008 den Low Carbon 100 Europe Index. Ein Expertengremium überwacht die Indexregeln, die besagen, dass aus den 300 „grünsten“ von Tausend nach Marktkapitalisierung größten europäischen Unternehmen diejenigen 10 bis 15 Firmen mit dem größten Anteil an emissionsarmen Techniken aus. Dazu 85–90 Unternehmen mit der besten sogenannten „CDP“-Bewertung. Es gibt einige strukturierte Produkte, ETFs und Fonds mit Bezug auf den Low Carbon 100 Europe Index.

 

  • Global Challenges Index

Die Börse Hannover hat 2007 den Global Challenges Index (GCI), zusammen mit der Nachhaltigkeitsrating-Agentur oekom Research AG entwickelt. Er ist nicht als reiner Low Carbon Index zu verstehen sondern als Nachhaltigkeitsindex, der nicht nur stark das Thema Dekarbonisierung forciert, sondern bezieht auch weitere Gesichtspunkte der Nachhaltigkeit, wie den Erhalt der Artenvielfalt, sichere Trinkwasserversorgung, nachhaltige Waldwirtschaft, mit ein.Dieser Index denkt gut die UN-Nachhaltigkeitszielen (SDG) ab, indem er 50 Titel globaler sozialer und ökologisch engagierter auswählt und mit strengen Ausschlusskriterien kombiniert.

 

  • MSCI Global Low Carbon Leader Index

Der bekannte Indexanbieter MSCI langcierte 2014 die neue Indexfamilie. Die Indices sollen die Werte des gesamten Aktienmarktes repräsentieren und einen repräsentativen Vergleich der Werte auf dem Weg zu einer emissionsfreien Wirtschaftsweise ermöglichen. Maßgabe für die in diesem Index enthaltenen Unternehmen ist, dass sie ihren CO2-Fußabdruck mindestens um 50 Prozent senken sollen.

Nicht ganz unumstritten ist, dass der Index die Aktien der größten CO2-Emittenten ausschließt. Ebenfalls werden Werte entfernt,  die große Reserven von fossilen Energieträgern halten, in erster Linie Ölfirmen. Damit deckt dieser Index insbesondere die Bedürfnisse der „Divest“ Bewegung. Dieser Index umfasst damit nur Aktien von Unternehmen, die deutlich weniger CO2 verursachen als konventionelle Unternehmen. Im Schnitt liegt die CO2-Emission damit rund 60 bis 70 Prozent unter den Werten des ursprünglichen Index MSCI World. Überraschend ist, dass darüber hinaus die MSCI Global Low Carbon Leader Indexes kaum mehr als zwei Prozent vom Hauptindex abweichen.

 

  • Stoxx Low Carbon index family

 

Stoxx, der Indexanbieter der Deutschen Börse, betreibt eine Low-Carbon-Familie aus 27 Teilindizes. Diese „Low Carbon Indizes“ orientieren sich stark an den herkömmlichen Benchmarks. Der Low Carbon Ansatz überzeugt jedoch, so werden Titel mit niedrigeren CO2-Intensitäten übergewichtet, solche mit hohen Intensitäten untergewichtet. Stoxx setzt bei den „Reported Low Carbon Indizes“ auf Unternehmen, die ihre CO2-Emissionen offen legen. Unternehmen mit verringerten Emissionen sind im „Industry Leader Low Carbon Indizes“ enthalten. Unternehmen, die ausgezeichnete Bewertungen des Carbon Disclosure Projects erhalten, befinden sich im „Global Climate Change Leaders Index”. CO2-intensive Branchen und sämtliche großen CO2-Emittenten schließen die „Low Carbon Footprint Indizes“ aus. Dieser letztgenannte Index, wird jedoch nichts bewirken und lediglich der Gewissensberuhigung dienen. Die Grundbedürfnisse der Menschen wie Mobilität, Heizung, Wohnen sowie die moderne Lebensart auszuschließen, wird nicht verändern.

Die Wirkungsanalyse steckt allerdings noch in den Kinderschuhen, da CO2 nicht der einzige Maßstab für Klima-Effekte ist. Ein effizient produzierender Papierhersteller, der Regenwald und somit CO2-Speicher vernichtet und Methan-Gase freisetzt produziert wahrscheinlich mehr Emissionen als ein ineffizienter Wettbewerber, der nichts dergleichen zu verschulden hat und seine Hölzer aus heimischen Wäldern bezieht. Somit müsste es auch ein Kriterium sein, ob Firmen die Biodiversität schützen. Es begrenzt die Wirkung von Low-Carbon-Indizes diese Gesichtspunkte nicht mit zu berücksichtigen.

Ein breit gestreutes nachhaltiges Portfolio bringt wahrscheinlich mehr Wirkung als die Begrenzung auf CO2 Reduzierung. Denn Nachhaltigkeit hat mehr zu bieten als nur Klimaschutz und Low Carbon.

 

klimafonds.de forciert einen breiter gefassten Nachhaltigkeitsansatz. So sind Investitionen in erneuerbare Energien und den nachwachsenden Rohstoff Holz immer Teil der Anlagestrategie. Als Marke der Grünes Geld GmbH wurde klimafonds.de als RoboAdvisor für kostenorientierte Anleger gegründet, die dennoch mit ihren Geldanlagen nachhaltig investieren möchten.

 

 

 

 

 

 

 



20. Juni 2018

Zusammenfassung: Heute vor 70 Jahren gab es die Währungreform in Deutschland. Die enormen Kriegsschulden wurden durch einen Schuldenschnitt von 93,5 Prozent von den Sparern getragen. Aktienbesitzer und Sachwertbesitzer kamen ohne Verluste davon.

 

Wie das Handelsblatt schreibt ist von einem Tag auf den anderen vor genau 70 Jahren der Deutsche vom Bittsteller und Bezugsmarkenkäufer zum umworbenen Kunden und D-Mark-Besitzer geworden. Eine rasante Entwicklung in Deutschland begann. Doch viele weitreichende Entscheidungen wurden damit getroffen, die zum einen Auswirkungen auf unsere heutige Bundesrepublik haben aber auch viele Lehren für Geldanleger bereit halten.

 

Ich habe 7 Punkte zusammen gestellt, die jeder über die wohl wichtigste Entscheidung zur Ordnung der Gesellschaft nach dem 2. Weltkrieg wissen sollte.

Reichsmark: Münze (gültig vor Währungsreform 1948)1.) Was war die Währungsreform eigentlich genau?

Am 20. Juni 1948 wurde die Reichsmark (und die 1:1 notierende Rentenmark) als Zahlungsmittel in den drei westlichen Besatzungszonen, also der späteren Bundesrepublik Deutschland, durch die D-Mark abgelöst.

Für 100 Reichsmark erhielt man 6,50 D-Mark. Zusätzlich gab es ein sogenanntes Kopfgeld als Geschenk des Staates. Es betrug 40 D-Mark für Haushalts-Vorstände. Einen Monat später wurde jeder natürlichen Person 20 D-Mark ausgezahlt.

 

2.) Ludwig Ehrhard zog bereits die Strippen

Im kollektiven Gedächtnis der Deutschen ist Ludwig Ehrhard der Vater des Wirschaftswunders, denn er war in den Wirtschaftswunderjahren von 1949 bis 1963 in der Regierung als Wirtschaftsminister tätig. Danach war er von 1963 bis 1966 der 2. bundesdeutsche Kanzler.

 

Doch Ehrhard war schon zuvor aktiv. Nach dem Zusammenbruch des NS-Reichs wurde klar, dass die Allierten keinen Masterplan zum Wiederaufbau der Zentralmacht in Europa hatten. So teilten im November 1947 Finanzoffiziere der “Sonderstelle Geld und Kredit” mit, dass “…die Währungsreform an die deutschen Verhältnisse angepasst werden muss…”. Diese Sonderstelle war das deutsche Währungsreformgremium mit Ihrem Leiter: Ludwig Ehrhard.

 

3.) Wieso gab es eine Währungsreform?

 

Es war letztlich die Rechnung für den 2. Weltkrieg und die durch ihn verursachten Kosten. Dabei waren ab 1942 die Warnungen Experten nicht mehr zu überhören. Im Februar 1945 teilte der damalige Finanzminister Schwerin von Krosigk seinem Reichskanzler Adolf Hitler mit, dass eine Steigerung des Notendrucks schon rein technisch kaum noch möglich wäre. Die Geldpresse war an Ihrer Kapazitätsgrenze.

 

Der 2. Weltkrieg ließ die Reichsschuld von 48 Mrd. Mark auf 450 Mrd. Mark, also das 5fache des Bruttosozialproduktes des Jahres 1943/1944, steigen. Das heutige Italien ist mit eines 1,3fachen Staatsverschuldung damit noch harmlos unterwegs.

 

Normalerweise würde bei einer solchen Schuldenexplosion auch die Inflation ansteigen, da immer mehr Geld im Kreislauf ist. Aber der Lohnstopp verhinderte das zunächst. Natürlich schwelte das Risiko im Hintergrund immer weiter und löste schließlich die Währungsunion aus.

 

4.) Gab es Alternativen zur Währungsreform 1948?

Während die Währungsreform im Rückblick als gelungen gilt gab es im Vorfeld hinter den Kulissen größte Diskussionen.

 

Die Amerikaner hatten keinen vorgefertigen Plan, bevorzugten mit dem Colm-Dodge-Goldsmith-Plan als wichtigsten Prüfstein der Neuordnung die gerechte Verteilung der durch den Krieg und seine Folgen verursachten Verluste. Sachbesitz über 1.000 D-Mark sollte mit eine Hypothek von 50 Prozent des Vermögens belastet werden.

 

Verbleibender Besitz sollte mit einer bis zu 90-prozentigen Vermögenszuwachsabgabe belegt werden. Damit wäre Deutschland revolutioniert worden. Doch die Unterstützung aus Washington war zu gering um den Vorschlag gegen den massiven Widerstand der Briten durchzusetzen. Diese wollten den Geldschnitt ohne Umverteilung von oben nach unten.

 

Für die Deutschen um Ehrhard und für die Briten war klar, dass Veränderungen an der Besitzstruktur verhindert werden sollten.

 

5.) Welche Vorlaufzeit für die Währungsreform gab es?

 

Seit 1943 wurde auf eine Währungsneuordnung hin gearbeitet. Bereits seit der Stalingrad-Niederlage am 2. Februar 1942 war den Führungskreisen, so auch Ludwig Ehrhard und seinem Bruder im Geiste, dem Vizestaatssekretär und starken Mann im Wirtschaftsministerium, Otto Ohlendorf, klar, dass nicht mehr als ein “Straffrieden á la Versailles” möglich wäre.

 

Beide – Ohlendorf als Vizestaatssekretär und Ehrhard als Leiter des kleinen Instituts für Industrieforschung, intensiv mit Problemen, die beim Übergang der Kriegs- zur Friedenswirtschaft entstehen würden. Besonders um die Währungsneuordnung ging es Ehrhard.

 

Für Ehrhard war klar, dass der Wiederaufbau “unter Führung und Initiative des Unternehmertums” erfolgen müsse.

 

Natürlich waren solche Planungen per Führer-Befehl in den Kriegsjahren verboten. Eine wirkliche Gefahr ging für Ohlendorf aber nicht aus, denn der Reichsführer der SS, Henrich Himmler, hielt seine schützende Hand über ihn. Auch Himmler war an ordnungspolitischen Gegenentwürfen interessiert.

 

Von 20. April 1948 bis 8. Juni 1948 wurden die Gesetze zur Währungsreform formuliert. Die Geldscheine im Nennwert von 5,7 Mrd. D-Mark waren zu diesem Zeitpunkt schon gedruckt.

 

6.) Was wurde aus den Köpfen der Währungsreform?

 

Die weitere Geschichte Ludwig Ehrhards ist den meinsten bekannt: Als der Dicke mit Zigarre wurde Ehrhard die Ikone des deutschen Wirtschaftswunders, Wirtschaftsminister und sogar – allerdings glückloser – Kanzler.

 

Ehrhards Kompagnon Otto Ohlendorf war zu Nazi-Zeiten Chef des Sicherheitsdienstes Inland (SI) und Leiter der berüchtigten Einsatzgruppe D und damit verantwortlich für die Ermordung von 90.000 Zivilisten. Er wurde in den Kriegsverbrecherprozessen von Nürnberg 1948 zu Tode verurteilt und 1951, trotz Gnadengesuch, hingerichtet.

 

7.) Kleine Sparer verloren fast alles, Aktien- und Sachwertbesitzer fast nichts

Die Wurzel für die oft als unausgewogen bezeichnete Vermögensverteilung in Deutschland liegt im 20. Juni 1948 begründet. Denn während Sparer fast alles verlorgen, ging der Währungsschnitt an Aktionären und Sachwertbesitzern praktisch vollkommen vorbei.

 

Wie oben erwähnt gabe es für 100 Reichsmarkt 6,50 D-Mark, also ein Verlust von 93,50 Prozent.

 

Doch die Vermögensabgabe für Aktien- und Immobilienbesitzer war rein optischer Natur und wurde nur aus Gründen der “sozialen Optik” durchgeführt.

 

Das Lastenausgleichsgesetz von 1952 sah vor, dass auf die Unternehmen und Immobilien 50 Prozent zu zahlen seien – allerdings auf 30 Jahre gestreckt und damit inflatorisch entwertet. Wie Volkswirt Reinhold Schilling errechnete erreichte diese Abgabe pro Jahr maximal 1,7 Prozent des Vermögenswertes. Das konnt gut aus dem Vermögenszuwachs der Wirtschaftswunderjahre bestritten werden.

 

 

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Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer von klimafonds.de. Gerd Junker: “Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.” Mehr zu ihm auf Xing und Facebook.

 

 



15. Juni 2018

Zusammenfassung: Not macht erfinderisch. Als im Jahr 2007 in den USA die Immobilienblase platzt, löst sie eine globale Wirtschaftskrise aus. Wohneigentum ist für immer weniger Menschen bezahlbar. Der Immobilienmarkt reagiert mit mobilen Minihäuschen. Sogenannte Tiny Houses kosten oft nicht mehr als 30.000 Euro. Gleichzeitig versprechen sie alles, was man zum Leben braucht, auf gerade einmal 20 Quadratmetern. 

 

Inhaltsverzeichnis

Klein, aber oho – Nachhaltiges Wohnen im Tiny House

Das Small House Movement

Ein Einfamilienhaus mit 20 Quadratmetern

Tiny Houses in Deutschland

Kleinhäuser als Bestandteil der Wohnraumverdichtung

Modulare Minihäuser und Wohncontainer

Warum weniger nicht immer mehr ist

Autarkes Wohnen

Was Eigentümer wissen müssen

 

Klein, aber oho – Nachhaltiges Wohnen im Tiny House

 

„Bigger ist better“ – So lautet ein zentrales Motto der amerikanischen Leitkultur. Von Kingsize Betten über All-you-can-eat-Buffets bis hin zu wolkenhohen Hochhäusern ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht gerade für seine Bescheidenheit bekannt.

Ganz anders kommt ein Immobilientrend daher, der jetzt seinen Weg aus den USA nach Europa findet: Tiny Houses sind meist mobile Minihäuser mit weniger als 20 Quadratmetern Wohnfläche. Dabei vereinen sie alles, was man zum Leben braucht, auf einer Fläche, die nicht größer als ein Zimmer ist: Wohnbereich, Küche, Bad, Schlafnische unter dem Dach.

Ihren Ursprung haben Tiny Houses im Jahr 2008, ausgelöst durch die Wirtschaftskrise. Wohneigentum ist für immer weniger Menschen bezahlbar. Um sich den Traum vom Eigenheim dennoch leisten zu können, sparen Eigentümer an Wohnfläche. Es entsteht ein wachsender Markt für Immobilien mit vergleichsweise kleiner Grundfläche zwischen 8 und 55 Quadratmetern.

Das Small House Movement

Zu dieser Zeit etabliert sich in den USA eine ganze Bewegung für Kleinhäuser. Steht zu Beginn des Small House Movements vor allem die Kostenreduktion im Vordergrund, gewinnt mit der Zeit der Nachhaltigkeitsaspekt zunehmend an Bedeutung. So entscheiden sich immer mehr Menschen aus ethischer Überzeugung für das Wohnen auf kleinem Fuß. Downsizing lautet das Stichwort, das frei übersetzt so viel heißt wie „Gesundschrumpfen“. Dabei finden Kleinhäuser auch in einkommensstärkeren Bevölkerungsschichten eine wachsende Verbreitung.

Weniger Wohnfläche bedeutet weniger Ressourcenverbrauch. Das gilt sowohl für den Bau des Hauses als auch für den laufenden Unterhalt. Umso kleiner das Haus, desto geringer der Bedarf an Heiz- und Elektroenergie, desto kleiner der ökologische Fußabdruck.

Hinzu kommt, dass es sich meist um mobile Unterkünfte handelt. Die Freiheit, sein Häuschen to Go jederzeit mitnehmen zu können, trifft einen weiteren Nerv unserer Zeit. Determinierte Lebensläufe sind heute weitaus seltener als noch vor ein paar Jahrzehnten. Immer weniger Menschen können es sich leisten, sich durch Wohneigentum dauerhaft an einen Wohnort zu binden.

Ein Einfamilienhaus mit 20 Quadratmetern

Eine genau Definition, bis zu welcher Größe ein Haus als Tiny House gilt, gibt es in Deutschland noch nicht. Anders in den USA: Hier hat der Begriff seinen Weg sogar in das Baugesetz gefunden. Demnach fallen Häuser in diese Kategorie mit einer Grundfläche von bis zu 400 Quadratfuß, also umgerechnet 37 Quadratmetern.

Hierzulande hat sich der Begriff Tiny House vor allem für Minihäuser auf Rädern durchgesetzt. Diese werden auf ein Anhängergestell aufgesetzt. Dabei ergibt sich die geringe Grundfläche allein schon durch die Gesetzesvorgaben der Sraßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO). Diese legt eine maximale Breite von 2,55 Metern und eine Höhe von 4 Metern für Anhänger fest. Die vorgeschriebenen Höchstmaße geben einen guten Eindruck von der Größe eines solchen rollenden Mikrohauses.

Trotz der geringen Grundfläche bieten Tiny Houses Schlafplätze für bis zu vier Personen. Möglich macht das eine gut durchdachte Raumaufteilung. Die Schlafplätze befinden sich bei den meisten Modellen unterhalb des Daches. Diese Schlafnischen sind über eine Treppe oder Leiter erreichbar. Das Erdgeschoss verfügt über einen separaten Raum als Bad mit Dusche. Den Rest der Wohnfläche beansprucht ein Wohnbereich mit Kochnische.

Tiny Houses in Deutschland

Die ersten Tiny Houses fallen in Deutschland und Europa auf fruchtbaren Boden. So stoßen sie hierzulande auf eine ähnlich prekäre Wohnraumsituation wie in den USA zu Beginn der Wirtschaftskrise. Gerade in den Großstädten ist bezahlbarer Wohnraum Mangelware.

Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) zeigt: Bis zum Jahr 2020 werden pro Jahr 380.000 neue Wohnungen benötigt. Der Wohnungsneubau kann dieser Nachfrage nicht standhalten. Im Jahr 2015 wurden gerade einmal 270.000 neue Wohnungen errichtet. Die Folge: Steigende Immobilienpreise – gerade in Metropolregionen. Allein in Berlin sind die Immobilienpreise von 2016 auf 2017 um 20,5 Prozent gestiegen, wie der Global Residential Cities Index des Londoner Beratungsunternehmens Knight Frank belegt.

In den Großstädten ist Wohnraum ein Luxusgut, das sich immer weniger Menschen leisten können. Dennoch ist der Traum vom Eigenheim in den Köpfen vieler Deutscher präsent. Hier bietet das Tiny House eine bezahlbare Alternative zur Eigentumswohnung. Die Kosten für ein schlüsselfertiges Kleinhaus auf Rädern beginnen bereits ab 25.000 Euro.

Gleichzeitig führt die steigende Zahl an Einpersonenhaushalten zur Verbreitung des Wohntrends Minihaus. Die wachsende Anzahl an Single- und Seniorenhaushalten gehört zur engen Zielgruppe von Häusern unterhalb der 50 Quadratmeter.

Dass die rollenden Fertighäuser im Mainstream angekommen sind, zeigt auch der jüngste Produktkatalog des Kaffeehauses Tchibo. Das bekannte Hamburger Einzelhandelsunternehmen vertreibt aktuell gleich drei verschiedene Tiny House Modelle zwischen 10 und 16,4 Quadratmetern.

Kleinhäuser als Bestandteil der Wohnraumverdichtung

Unter dem Stichwort der Wohnraumverdichtug bilden Kleinhäuser ein zentrales Element für eine zukunftsweisende Städteplanung. Bei der Nachverdichtung von Wohnraum geht es darum, urbane Freifläche besser auszunutzen. Sie stellt damit ein wichtiges Instrument im Kampf gegen den Wohnraummangel dar.

Mikrohäuser lassen sich überall dort aufstellen, wo für den Neubau konventioneller Immobilien zu wenig Platz ist. So zum Beispiel auf den zahlreichen Flachdächern in Großstädten. Prominentes Beispiel ist ein Wohnblock der Fünfzigerjahre in der französischen Stadt Champigny-sur-Marne. Auf dem Dach des besagten Gebäudes ließ der Architekt Edouard François eine kleine Wohnsiedlung aus Mini-Einfamilienhäusern errichten.

Die Wohnungsnot macht die Baubranche erfinderisch. Ein weiteres Beispiel dafür ist das Startup Cabin Spacey. Das Berliner Jungunternehmen hat einen Prototyp für eine mobile Dachwohnung entwickelt. Dabei handelt es sich um ein 8,5 mal 3,2 Meter großes, vorgefertigtes Mikrohaus. Durch Solarplatten auf dem Dach und einer Luft-Wärmepumpe, die Heizenergie aus der Umgebungsluft zieht, ist die mobile Penthouse-Wohnung nahezu vollständig autark.

Modulare Minihäuser und Wohncontainer

Weitere Unterformen von Kleinhäusern sind Modul- und Containerhäuser. Diese bestehen aus einem oder mehreren flexiblen Raummodulen, die sich stapeln oder nebeneinanderstellen lassen. Damit verabschieden sich modulare Raumsysteme von dem üblicherweise starren Grundriss. Das Haus, das mitwächst, kann durch den An- oder Abbau von weiteren Modulen vergrößert und auch wieder verkleinert werden.

Ein Anwendungsszenario ist die junge Familie, bei der Nachwuchs ins Haus steht. Die frisch gebackenen Eltern können das Kinderzimmer in Form eines zusätzlichen Raummodules realisieren. Zieht das Kind im Erwachsenenalter aus, lässt sich das Modul wieder entfernen. Somit ermöglichen modulare Systembauten eine bedarfsorientierte Ausrichtung der Wohnfläche. Für die Bewohner lassen sich so Ressourcen und Kosten sparen.

Auch bei Wohncontainern handelt es sich um Modulbauten. Namensgebend für diese Bauform ist die Verwendung ausrangierter Seecontainer als Gebäudehülle. Ein Nachhaltigkeitskonzept, das auch als Upcycling bezeichnet wird. Es beschreibt die Weiterverwertung eines Gegenstandes für einen neuen, höherwertigen Zweck – In diesem Fall die Nutzung eines nicht länger gebrauchten Frachtcontainers als Wohnimmobilie. Anwendung finden Containerhäuser dabei vor allem auch im gewerblichen Bereich als Büro- und Messecontainer.

Warum weniger nicht immer mehr ist

Weniger Wohnfläche bedeutet weniger Ressourcenverbrauch sowie weniger Bedarf an Heizenergie. Eine Gleichung, die sich zunächst einmal plausibel anhört. Dennoch kann der ökologische Nutzen von Tiny Houses durchaus diskutiert werden.

Damit die kleinen Wohnunterkünfte uneingeschränkt transportabel bleiben, sind Hersteller bestrebt, Außenwände und Decken möglichst dünn zu halten. Mit der Folge, dass an Dämmmaterial gespart wird. So kann die Isolierung vieler Tiny Houses keinesfalls mit der eines Massivhauses mithalten. Um die geringere Wärmeisolierung zu kompensieren, müssen Eigentümer mehr heizen. Langfristig entsteht demnach ein erhöhter Bedarf an Heizenergie. Ein Energieausweis ist für Besitzer eines Tiny Houses übrigens nicht erforderlich. Kleine Immobilien mit weniger als 50 Quadratmetern sind laut Energieeinsparverordnung von der Ausstellung eines Energieausweises ausgenommen.

Um ihr Kleinhaus dauerhaft ökologisch bewohnen zu können, sollten Eigentümer auf bestimmte Mindeststandards achten. Andernfalls kann sich die Nachhaltigkeit der kompakten Bauweise durch einen erhöhten Bedarf an Heizenergie über die Dauer der Wohnzeit aushebeln.

Autarkes Wohnen

Auch deshalb sind viele Tiny Houses auf ein Höchstmaß an Autarkie ausgelegt. So folgt die Beheizung häufig über ein regeneratives Heizsystem wie eine Pellet- oder Scheitholzheizung. Zur Heizungsunterstützung und Warmwasserbereitung dient eine Solarthermie auf dem Dach.

Einige Häuser verfügen sogar über ein Regenauffangbecken. Das dort gesammelte Wasser gelangt dann in den Wasserkreislauf und dient zur Bewässerung des Gartens oder für die Toilettenspülung. Doch Achtung: Die Nutzung von Regenwasser als Trinkwasser ist hierzulande grundsätzlich untersagt. Dabei sind Regenwasser- und Trinkwasserleitung deutlich voneinander zu trennen sowie farblich unterschiedlich zu markieren.

Was Eigentümer wissen müssen

Zur rasanten Verbreitung der bereiften Miniunterkünfte haben in den USA wohl auch die moderaten gesetzlichen Anforderungen geführt. So sind die Auflagen für das Bewohnen und den Transport von Tiny Houses in den Vereinigten Staaten eher lasch – Zumindest im Vergleich zu der hiesigen Gesetzeslage. Aus diesem Grund ist Eigentümern auch grundsätzlich davon abzuraten, ein Mini Home aus den USA zu importieren. Versorgungsanschlüsse und Außenmaße amerikanischer Ableger sind mit den Vorschriften der meisten europäischen Länder nicht kompatibel. Bei der Vielzahl an europäischen Anbietern, die sich über die letzten Jahre etabliert haben, dürften Käufer allerdings auch ohne Probleme auf dem heimischen Markt fündig werden.

Wie jedes Fahrzeug auch, erfordert ein Tiny House eine Straßenzulassung durch die zuständige Prüfgesellschaft TÜV oder DEKRA. Hier wird es üblicherweise als Anhänger mit Sonderaufbau geführt. Ohne eine solche Zulassung dürfen Tiny Houses auf öffentlichen Straßen nicht bewegt werden, außer es liegt eine Sondergenehmigung vor.

Auch wenn es theoretisch möglich ist: Ein Eigentümer darf sein Tiny House nicht an beliebigen Plätzen abstellen und es dort bewohnen. Sowohl eine dauerhafte als auch temporäre Nutzung erfordert eine Baugenehmigung. Dazu gehört auch das Erschließen der dafür vorgesehenen Stellfläche. So ist der Eigentümer dazu verpflichtet, die Versorgung mit Strom, Wasser und Abwasser sicherzustellen ebenso wie den Zugang der örtlichen Müllabfuhr.

Einzige Ausnahme bilden Campingplätze. Hier erfordert das Aufstellen eines Kleinhauses keine Baugenehmigung. Wer sein Tiny House als dauerhaften Erstwohnsitz auf einem Campingplatz nutzen möchte, der sollte sich vorab in der Campingverordnung seines Bundeslandes informieren. Nicht jedes Bundesland erlaubt einen Campingplatz als Erstwohnsitz.